René Benko sorgt derzeit regelmäßig für Schlagzeilen. Zum einen ist der Tiroler Milliardär mit Vorwürfen der Justiz konfrontiert, wonach er versucht haben soll, durch ein Jobangebot an den früheren Generalsekretär im Finanzministerium, Thomas Schmid, seine Steuerpflicht zu senken. Und zum anderen läuft es für den 45-jährigen Investor, der sein Vermögen mit Immobilien gemacht hat, momentan auch wirtschaftlich alles andere als rund.

So musste seine deutsche Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof, die etwa 17.000 Beschäftigte und 131 Standorte hat, abermals unter einen Insolvenz-Schutzschirm flüchten und Staatshilfe beantragen. Zudem scheint Benko in Österreich gegenwärtig gewisse Probleme mit seinem vor vier Jahren erworbenen Möbelhandelskonzern Kika/Leiner zu haben. Geschäftsführer Reinhold Gütebier räumte am Wochenende jedenfalls ein, dass die aktuelle Situation "herausfordernd" sei. "Aber wir setzen alles daran, das Unternehmen weiterhin auf stabile Beine zu stellen", betonte er.

Zur Meldung in der Tageszeitung "Der Standard", dass Benko 4 bis 15 der 42 Kika/Leiner-Filialen verkaufen wolle, hielt Gütebier am Sonntag fest: "Alle Einrichtungshäuser bleiben erhalten." Zuvor hatte das Blatt den Chef der traditionsreichen Einrichtungskette in der Wochenendausgabe mit den Worten zitiert: "Einige wenige Häuser eignen sich aufgrund der Gegebenheiten nicht mehr, um unseren Ansprüchen an ein modernes Möbelhaus gerecht zu werden."

In der Bilanz vom 30. September 2021 - aktuellere Zahlen gibt es noch nicht - weist die Leiner & Kika Möbelhandels GmbH 3.750 Mitarbeiter und 740 Millionen Euro Umsatz aus. In ihren Büchern steht zwar ein Bilanzverlust in der Höhe von knapp 84 Millionen Euro. Laut Gütebier war das Unternehmen allerdings nicht weit von einer schwarzen Null entfernt, man habe sich in den vergangenen Jahren "dramatisch verbessert".

In Deutschland - bei Galeria Karstadt Kaufhof - scheint es für Benko und seine Signa-Holding unterdessen sehr wohl ans Eingemachte zu gehen. Um das Unternehmen wieder flott zu bekommen, soll das Filialnetz, das insgesamt 131 Standorte umfasst, drastisch - um mindestens ein Drittel - verkleinert werden.

Einem Medienbericht zufolge bietet der deutsche Onlinehändler Buero.de nun für die Übernahme von 47 statt bisher 40 Filialen. Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, sei Buero.de an Standorten in mittelgroßen Städten - und da vor allem in Bayern - interessiert.

Zweite Pleite in kurzer Zeit

Erste Gespräche mit dem Insolvenzverwalter der Galeria-Gruppe seien von Markus Schön, dem Chef von Buero.de, bereits aufgenommen worden. Schön sagte dem Blatt: "Wir hoffen sehr, dass der Konzern auf unser Angebot eingeht und damit eine Rettung der Filialen und Arbeitsplätze möglich macht."

Beim ersten Schutzschirmverfahren im Jahr 2020 waren zahlreiche Niederlassungen der letzten großen Warenhauskette in Deutschland zugesperrt worden. Erst im Jänner hatte die deutsche Regierung das zur Signa-Holding gehörende Unternehmen mit weiteren 220 Millionen Euro gestützt, zuvor - 2021 - hatte sich Galeria mit dem deutschen Bund auf einen Kredit von 460 Millionen Euro verständigt.

Ob die öffentliche Hand nach dem jüngsten Antrag auf Finanzhilfe nochmals eingreift, bleibt indes abzuwarten. Vonseiten der Politik war zuletzt wiederholt zu hören, dass Benko eigene Mittel zur Sanierung der Galeria-Gruppe beisteuern sollte.

Auch die Gewerkschaft Verdi fordert von Benko ein größeres Engagement zur Rettung des Unternehmens. "Unsere Kolleginnen und Kollegen in den 131 Warenhäusern fragen sich, wo der Eigentümer ist in dieser existenziell höchst bedrohlichen Situation für 17.400 Menschen und ihre Familien", so Stefanie Nutzenberger, Mitglied des Verdi-Bundesvorstands. Es müsse jetzt zusätzliches Geld ins Unternehmen. "Da gibt es klare Erwartungen an den Eigentümer."(kle)