Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl hat am Mittwoch bei der Vollversammlung der Wiener Kammer den "enormen, völlig nutzlosen Reichtum" von Wenigen angeprangert, der der wachsenden Armut entgegenstehe. "Die steigenden Preise machen den Menschen das Leben in sehr vielen Bereichen schwer: Wohnen, Energie, Lebensmittel, Verkehr, Schulkosten. Und immer mehr Menschen müssen entscheiden, ob sie lieber heizen oder essen", so Anderl.

Es mache sie "inzwischen richtig zornig, auf der einen Seite die steigende Armut, auf der anderen Seite dieser enorme, völlig nutzlose Reichtum." Denn es nutze ja niemandem, wenn irgendwo "Millionen und Milliarden gebunkert" seien. "Das vierte Auto, die dritte Yacht, die zweite Wochenend-Villa" - das sei alles völlig nutzlos.

Krise mit gerechten Beiträgen aller bewältigen

Anderl verwies auf einen Brief, den sie an die 100 Reichsten des Landes geschickt habe: "Ich habe ihnen geschrieben, dass sie gemeinsam so viel Geld haben wie 5,5 Millionen Menschen gemeinsam. Ich habe sie aufgefordert, sich für mehr Steuergerechtigkeit einzusetzen." Es gehe darum, den Sozialstaat abzusichern und zu verbessern und die aktuellen Krisen mit gerechten Beiträgen aller zu bewältigen. Die Herausforderungen - etwa in der Pflege - , die Klimakrise und auch die versprochene Reform der Arbeitslosenversicherung würden sich nur lösen lassen, wenn sich auch die Superreichen beteiligen.

Ein weiteres Thema der Vollversammlung war die Behinderung der Gründung von Betriebsräten. Diese solle nach deutschem Vorbild strafbar werden. Die Regierung solle laut dem Antrag einen Gesetzesentwurf vorlegen, der ein Offizialdelikt nach dem Strafrecht gegen die Behinderung und die Beeinflussung von Betriebsratswahlen oder Personalvertretungswahlen vorsieht.