Die Zeichen stehen auf Streik: Ab Montag, Null Uhr, könnte österreichweit der Bahnverkehr stillstehen. Die Gewerkschaft Vida hat wegen der stockenden Verhandlungen über einen neuen Kollektivvertrag einen 24-stündigen Warnstreik angekündigt. Die ÖBB ersuchen Bahnkunden, nicht notwendige Fahrten zu verschieben beziehungsweise alternative Reisemöglichkeiten zu wählen.

Verhandlungen am Wochenende

Eine Einigung vor Montag könnte den Warnstreik abwenden. Die Arbeitgeberseite hat der Gewerkschaft Termine für Samstag und/oder Sonntag angeboten. Nun wird am Samstag ab 16 Uhr weiterverhandelt, gab die Vida am Freitagnachmittag bekannt. Sie kritisierte, dass die Verhandlungspartner so viel Zeit hätten verstreichen lassen. Die Arbeitgebervertreter hatten an die Vida appelliert, den Termin am Samstag wahrzunehmen: "Die Gefahr, dass eine Verhandlungsrunde am Sonntag zu spät ist, um den Streik noch abzuwenden, ist aus unserer Sicht zu groß", hieß es in einem der APA vorliegenden Schreiben.

Falls es zu einem Warnstreik kommt, würden auch der grenzüberschreitende Bahnverkehr beziehungsweise der Nachtreiseverkehr betroffen sein, so die ÖBB. Hier könne es bereits ab Sonntagabend bzw. bis Dienstagfrüh zu Ausfällen bei den Nachtzügen kommen. ÖBB-Standard- und Sparschiene-Tickets würden bis inklusive 5. Dezember 2022 gültig bleiben oder werden rückerstattet werden. Auch Besitzer von Zeitkarten würden entsprechend der Fahrgastrechte entschädigt.

Der Warnstreik würde entfallen, wenn beide Seiten "vor Sonntag Mitternacht einen Verhandlungstermin zustande bekommen, um ein vertretbares Ergebnis zu erreichen", heißt es aus der Vida. Die Forderung nach einem Entgeltplus von 400 Euro für alle Beschäftigten bleibe aufrecht, sagt Vida-Verhandler Gerhard Tauchner. Anfangs hatte man noch 500 Euro gefordert.

400 Euro mehr für alle sind den Arbeitgebern zu viel

Die 400 Euro sind den Unternehmensvertretern aber viel zu viel. Sie haben laut eigenen Angaben das beste Angebot in der bisherigen Herbstlohnrunde, das auch den Metaller-Abschluss überbiete. Konkret bedeute dies ein durchschnittliches Gehaltsplus über alle Gehaltsklassen von 8 Prozent ab 1. Dezember und ebenso im Dezember einen Einmalbetrag von 1.000 Euro. "Das ergibt eine durchschnittliche Erhöhung der KV-Löhne und -Gehälter um mindestens 9 Prozent", heißt es.