Die Verwerfungen auf den internationalen Energiemärkten haben auch beim niederösterreichischen Energiekonzern EVN Spuren hinterlassen. Zwar wurden 564 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr 2021/22 investiert – drei Viertel davon in Netzinfrastruktur und erneuerbare Energien. Das ließ den Umsatz um 69,6 Prozent auf rund 4,06 Milliarden Euro wachsen. "Wir haben in unserem 100. Jahr so viel investiert wie nie zuvor", erklärte Vorstandsdirektor Stefan Szyszkowitz dazu am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz des Konzerns in Wien.

Gleichzeitig sank jedoch das Konzernergebnis um 35,6 Prozent auf 209,6 Millionen Euro. Die Stromerzeugung ging zurück, unter anderem, weil Trockenheit die Wasserkraft ausbremste. Allerdings stiegen parallel die Kosten für die Energiebeschaffung auf den Märkten wegen des Ukraine-Krieges von 1,06 Milliarden im Vorjahr auf rund 2,28 Milliarden Euro.

Dennoch sei man mit "unverändert solider Kapitalstruktur" gut aufgestellt, betont Szyszkowitz. "Wir glauben, dass wir kommendes Jahr ein Konzernergebnis zwischen 190 und 250 Millionen Euro haben werden", so der Vorstandssprecher. Voraussetzung sei "ein stabiles regulatorische Umfeld sowie ebensolche energiepolitischen und steuerrechtlichen Rahmenbedingungen", erläutert er die breite Range der Prognose.

Übergewinnsteuer und Finanzierungsschutz

Hintergrund dafür ist ein Gesetz zur Besteuerung von Übergewinnen bei Energiekonzernen, das gerade im österreichischen Parlament verhandelt wird und per 1. Dezember schlagend werden könnte. Man habe einen dreistelligen Millionenbetrag zurückgestellt, welche diese und andere "Unsicherheiten addiert", wie er ausführt. "Je nachdem, wie Investitionen in erneuerbare Energien anrechenbar werden, steht an erster Stelle dieses Betrages dann ein Einser oder ein Zweier", erklärt Szyszkowitz.

Dennoch zeigt er Verständnis für "außergewöhnliche Maßnahmen aufgrund der außergewöhnlichen historischen Situation". Die angekündigte Übergewinnsteuer bezeichnet er als "temporär faire Abwägung der Möglichkeiten, die die Gesellschaft hat".

In Bezug auf Sicherheiten der öffentlichen Hand für die Finanzierung der Energieversorger in Extremfällen – wie zuletzt bei der Wien Energie – antwortet Szyszkowitz auf die Frage der "Wiener Zeitung": "Für uns ist das Wichtigste ein Schutzschirm hinter den Banken, damit diese sich leichter tun bei der Finanzierung in solchen Fällen."

Künftig will sich die EVN noch stärker auf Windkraft und Photovoltaik fokussieren. Derzeit werden hierzu Projekte im Umfang von insgesamt rund 90 Megawatt errichtet. Bis 2030 soll sich der Output hier mehr als verzehnfachen. Dafür sind allerdings auch weitere Investitionen ins Stromnetz notwendig.