Beim börsennotierten Wiener Öl-, Gas- und Chemiekonzern OMV kommt ein neuer Kernaktionär an Bord. Die staatliche Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc), einer der größten Ölproduzenten der Welt, übernimmt die 24,9-prozentige Beteiligung, die bisher von dem ebenfalls aus dem Emirat Abu Dhabi stammenden Staatsfonds Mubadala gehalten wurde. Offiziell wird die Übernahme über einen Kauf abgewickelt, zu aktuellen Börsenkursen ist das OMV-Aktienpaket rund 3,9 Milliarden Euro wert.

Dass künftig ein anderes Unternehmen aus Abu Dhabi knapp ein Viertel an Österreichs größtem Industriekonzern hält, damit hat die Öbag kein Problem. Die Beteiligungsholding der Republik ist mit 31,5 Prozent die größte Einzelaktionärin der OMV, sie hat ihre Anteile viele Jahre gemeinsam mit denen von Mubadala in einem kontrollierenden Syndikat gehalten. Mit Adnoc gibt es zwar einen Eigentümerwechsel, die Beteiligung bleibt aber in den Händen der Scheichs von Abu Dhabi.

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"Sollten die behördlichen Genehmigungen erteilt werden, wäre die Adnoc ein langfristig orientierter, strategischer Partner für alle Geschäftsfelder der OMV", erklärte die Öbag am Mittwoch. Erklärtes Ziel sei weiterhin, die langfristige Wertsteigerung der OMV sicherzustellen und die Standortinteressen zu wahren.

Fokus aufs Chemiegeschäft

Für Adnoc bedeutet die Aktionärsrochade eine Stärkung des Chemiegeschäfts. Erst im Frühjahr einigten sich Adnoc und Mubadala darauf, dass Adnoc den 25-prozentigen Minderheitsanteil an der OMV-Petrochemie-Tochter übernimmt. Außerdem sind Adnoc und Borealis Eigentümer der gemeinsamen Firma Borouge, die auf Polyolefinlösungen spezialisiert ist. Über die staatliche Adnoc und deren Beteiligung an der OMV will das Emirat Abu Dhabi seine Präsenz im Chemiesektor und Synergien in seinem Chemieportfolio steigern. Adnoc-Chef Sultan Al Jaber, der gleichzeitig auch Industrieminister der Vereinigten Arabischen Emirate ist, sprach am Mittwoch vom "Aufbau einer integrierten Chemikalien-Plattform, um die Wachstumsstrategie zu beschleunigen".

Auch die OMV setzt ja stark auf das Chemiegeschäft, bis spätestens 2050 will sie ihr Öl- und Gasgeschäft einstellen und klimaneutral sein. Als seinen Wachstumstreiber sieht das Unternehmen die Tochter Borealis, die hochwertige Kunststoffe produziert – sogenannte Polyolefine, die für die Herstellung verschiedener Kunststoffprodukte gebraucht werden, die in vielen Branchen wie beispielsweise Energie, Automobil, Verpackung, Bau oder Gesundheitswesen zum Einsatz kommen.

Großinvestition in Norwegen

Das Gasgeschäft bleibt für die OMV vorerst freilich weiterhin ein wichtiges Segment – auch mit Blick auf die Versorgung Österreichs (Russland gilt da nicht mehr als zuverlässig). Wie am Mittwoch bekannt wurde, investiert die OMV nun in Norwegen zusammen mit Partnern fast 900 Millionen Euro in die Erschließung des Gasfeldes Berling. Die Produktion soll 2028 anlaufen, wobei das Erdgas über eine Pipeline zur Verarbeitungsanlage Kaarstoe geleitet werden soll, von wo aus es dann nach Europa weitertransportiert werden kann.

Die OMV betreibt das Feld, sie hält einen Anteil von 30 Prozent an der Lizenz. Der staatliche norwegische Energiekonzern Equinor ist mit 40 Prozent beteiligt, der norwegische Öl- und Gasförderer DNO mit 20 Prozent und die Öl- und Gasfirma Sval Energi mit 10 Prozent. Das Gasfeld Berling befindet sich etwa 20 Kilometer nordwestlich des Aasgard-Feldes in der Nordsee.