Die Asfinag zieht über das zu Ende gehende Jahr eine positive Bilanz. Zwar spürt auch die staatliche Autobahnholding allmählich die Inflation, dem wirtschaftlichen Erfolg tat dies heuer aber keinen Abbruch. Mit Mauterlösen von gut 2,53 Mrd. Euro wird man 2022 über dem Vor-Corona-Niveau liegen. Und auch der Gewinn dürfte sich zum Vorjahr kräftig erhöhen, berichtete Asfinag-Finanzvorstand Josef Fiala.

Schwung kam 2022 vor allem wieder in den Pkw-Verkehr, der sich in der Coronapandemie eingebremst hatte. Die Fahrleistung stieg mit einem Plus von 10,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr deutlich. Dass man damit dem Vorkrisenniveau immer noch etwas hinterherhinkt, führte Fiala auf die Spritpreisentwicklung sowie den anhaltenden Trend zur Heimarbeit zurück.

Etwas schleppender, aber aus Sicht der Asfinag ebenso erfreulich entwickelte sich der Lkw-Verkehr, bei dem das Unternehmen im Jahresvergleich einen Zuwachs von 0,5 Prozent verzeichnete. Fiala betonte dazu, dass der Schwerverkehr nach den pandemiebedingten Schwierigkeiten schon im vergangenen Jahr einen Erholungsschub bekommen habe und der Zuwachs deswegen geringer ausgefallen sei. "Der Lkw ist viel rascher nach der Coronakrise angesprungen", ordnete er die Entwicklung ein.

Mauterlöse über Vorkrisenniveau

Erstmals über dem Vorkrisenniveau werden sich heuer die Mauterlöse bewegen - zumindest wenn man die automatischen Preisanpassungen der letzten Jahre herausrechnet. Nach 2,38 Mrd. Euro im Jahr 2021 erwartet die Asfinag für heuer gut 2,53 Mrd. Euro. Im Vorkrisenjahr 2019 hatten sich die Mautumsätze auf 2,31 Mrd. Euro belaufen.

Dank dem guten Ergebnis sei man 2022 in der Lage, den Nettoschuldenstand um 200 Mio. Euro auf 10,5 Mrd. Euro zu reduzieren, erklärte Fiala. Das Investitionsvolumen habe sich heuer auf 1,2 Mrd. Euro belaufen, ein Niveau, das man im kommenden Jahr um mindestens 200 Mio. steigern wolle. Unterm Strich wird sich der Jahresüberschuss von 755 Mio. auf 822 Mio. erhöhen, prognostiziert die Asfinag. Dem Staat winkt wie schon im Vorjahr eine Dividende in Höhe von 200 Mio. Euro.

Etwas schlechter stehen die Vorzeichen für das kommende Jahr, vor allem beim Lkw. "Die Zeiten der Zuwächse sind seit ein paar Wochen vorbei", bemerkte der Manager, der aufgrund des schwieriger werdenden Marktumfelds im Bereich des Schwerverkehrs keine Fahrleistungssteigerung erwartet. Mit Blick auf die allgemeine wirtschaftliche Lage sei es in diesem Kontext noch verfrüht, von einem drohenden Abschwung zu sprechen. Aber "einen im Raum stehenden Rückgang bei der Wirtschaftsleistung spüren wir auch jetzt schon beim Lkw".

Bei Pkw finde man eine etwas andere Situation vor, da Österreich als Tourismusland weiter sehr attraktiv bleibe - sowohl im Inland als auch im Ausland. Das könnte dem Verkehr einen Schub verschaffen und weitere Steigerungen mit sich bringen, glaubt Fiala. Er hoffe, dass sich die Fahrleistung wieder mehr in Richtung der Zeit vor der Coronapandemie entwickeln werde.

Inflation schlägt sich bei Bau- und Stromkosten nieder

Direkt von der Inflation betroffen ist die Asfinag im Bereich der Bau- und Stromkosten, die insbesondere im Tunnelbetrieb anfallen. Fiala erwartet bei Strom für 2023 eine Kostensteigerung von 50 Prozent, von derzeit 20 Mio. auf 30 Mio. Euro. "Da sind wir im Boot wie alle anderen Unternehmen und Haushalte." Steigerungen um etwa 10 Prozent dürfte es im kommenden Jahr zudem bei den Personalkosten geben, hauptsächlich aufgrund der höheren Löhne. Die Verhandlungen über den unternehmensinternen Kollektivvertrag hatten zuletzt ein Lohn- und Gehaltsplus von knapp 8 Prozent für die Beschäftigten gebracht.

Vor diesem Hintergrund erwartet die Asfinag, 2023 etwas weniger Gewinn einzufahren. Denn erlösseitig rechne man nur mit einer etwa 3-prozentigen Steigerung. Das entspricht ungefähr der Erhöhung der Vignettenpreise, die 2023 um 2,8 Prozent wachsen werden. Die Valorisierung orientiert sich grundsätzlich am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI). Für 2023 wird die rollierende Inflation aus dem Jahr 2021 herangezogen.

Geplante Investitionen in die Energiewende sollen trotz des gedämpften Ausblicks bei der Asfinag nicht auf der Strecke bleiben. Neben der zuletzt angekündigten Offensive im Bereich der E-Ladestationen richtet die Autobahnholding ihren Fokus vor allem auf Photovoltaikprojekte, die entlang des Streckennetzes entstehen sollen. Mehr als 200 Millionen werde man dafür in den nächsten Jahren in die Hand nehmen, sagte Fiala. (apa)