Die installierte Leistung von Photovoltaik-Anlagen (PV) hat sich 2022 verdoppelt. Die gestiegenen Energiepreise aufgrund des russischen Kriegs in der Ukraine haben vermehrt mit dem Boom zu tun, der Trend setzte jedoch schon früher ein: Bereits im Vorjahr war die Tendenz steigend. Bis September stieg die Leistung in Österreich von 738 Megawattpeak (MWp) auf 1.370 MWp, so der Branchenradar. 2021 hatte sich die installierte Leistung mehr als verdoppelt, von 338 auf 738 MWp. Doch woher kommen die Anlagen und haben wir überhaupt genügend davon, wenn sich der Trend fortsetzt? Immerhin rechnet die Internationale Energieagentur (IEA) damit, dass Photovoltaikanlagen den größten Anstieg von allen Energieträgern haben wird, auch verglichen mit Erdgas und Kohle, die in den kommenden Jahren nichtsdestotrotz kontinuierlich steigen werden.

Ein wichtiger Lieferant für Photovoltaikanlagen ist China. Die Importe haben sich 2022 verdreifacht. Wurden im Februar noch Paneele im Wert von 885 Millionen Euro eingeführt, stieg dieser Wert bis August auf 2,6 Milliarden Euro und blieb im September auf diesem Niveau, geht aus Eurostat-Daten hervor, die der Brüsseler Thinktank Bruegel im Dezember ausgewertet hat. Laut Bruegel handelt es sich dabei um keinen Preiseffekt, da der Anstieg gemessen in Tonnen ähnlich stark ausfiel.

China größter Produzent

Die Daten zeigen: Abhängigkeit von China ist groß. 90 Prozent der importierten Paneele wurde in China produziert. Bis 2027 könnte sich diese Vorherrschaft auf zumindest 75 Prozent reduzieren, weil die USA in die PV-Produktion investieren, berechnete die IEA in ihrer jüngsten Prognose zu Erneuerbaren. Bei Wechselrichtern, die den Gleichstrom der Paneele in netztauglichen Wechselstrom umwandeln, gibt es auch große europäische Hersteller, etwa Fronius aus Österreich oder SMA aus Deutschland. Dominierend auf dem Weltmarkt sind jedoch chinesische Hersteller, Huawei etwa. Um die Abhängigkeit von China zu reduzieren, schloss sich unter Federführung der EU-Kommission die europäische PV- und Solarindustrie zu einer Allianz zusammen. Laut EU-Kommission gibt es weniger als neun europäische Hersteller von Solar-Modulen. Angesichts der Investitionen in China und den USA, die mit dem Klimapaket Inflation Reduction Act massiv in Erneuerbare investieren, müsse Europa mithalten können, sagte Thierry Breton, EU-Kommissar für den Binnenmarkt, in seiner Rede zur Gründung der "European Solar Photovoltaic Industry Alliance".

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Ziel ist es, einen Aktionsplan zu erstellen, um die Lieferketten zu diversifizieren und europäische Hersteller und Innovationen zu stärken, sodass sich Investitionen auch finanziell lohnen. Denn auf China allein will sich die EU nicht verlassen, braucht die wirtschaftliche Supermacht seine Solar- und PV-Paneele zunehmend selbst: Der Leistungszubau 2022 stieg laut der Forschungsgruppe BloombergNEF in China um mehr als 150 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, in Europa betrug der Anstieg 40 Prozent.

Dass Solateure - auf Solarenergie spezialisierte Installateurbetriebe - auf Wochen hinaus ausgebucht sind, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Auch kleine Start-ups ergreifen mit ihren Geschäftsideen die Chance, den neu entstehenden Markt zu bespielen.

Chancen für Start-ups

Ein Beispiel ist etwa das Grazer Unternehmen Sonnenschmiede. Die Firma hat sich auf Photovoltaikanlagen für Mehrparteienhäuser spezialisiert und begleitet interessierte Hausgemeinschaften von der Planung bis zur Abrechnung ihrer hauseigenen PV-Anlage. Erst Mitte des Jahres ging die Firma an den Start, etwa 100 Projekte setzt sie derzeit um, erzählt Firmengründer Alexander Hojas. Zehn Anlagen werden bereits von Partnerbetrieben installiert.

Die Idee zum Unternehmen entstand, nachdem die Installation einer PV-Anlage am Mehrparteienhaus, in dem Hojas’ Eltern wohnten, gescheitert waren, erzählt der Gründer. Zunächst winkte die Hausverwaltung ab, obwohl die Hausgemeinschaft zugestimmt hatte, dann der Solateur-Betrieb, der die Anlage errichten sollte. Hojas’ Idee war es, den Interessierten alle mühsamen Wege - Zustimmungen und Genehmigungen einholen, Baubewilligungen beschaffen - abzunehmen. Dafür ist die Sonnenschmiede die Betreiberin der PV-Anlage - wobei die Eigentümerin die Hausgemeinschaft ist - und kümmert sich um die Verrechnung. Das Modell der Solarschmiede rechnet sich für die Hausgemeinschaften nach zehn Jahren, "konservativ gerechnet", sagt Hojas. Bei den jetzigen Strompreisen wären die Kosten der Hausgemeinschaft jedoch nach drei bis vier Jahren schon eingenommen. "Um die Klimawende zu schaffen, muss mit dem PV-Ausbau auch ein Netz-Ausbau stattfinden, sonst wird es nicht funktionieren", sagt Hojas.