Damit war zu rechnen: Nach dem Auslaufen der Corona-Hilfen hat sich das Insolvenzgeschehen in Österreich im vergangenen Jahr wieder "normalisiert". Zahlreiche Kleinst- und Kleinunternehmen, die vorher schon Probleme hatten und sich nur mit staatlicher Hilfe über die Pandemie hinwegretten konnten, schlitterten in die Pleite.

Nachdem es in den Jahren 2020 und 2021 einen Rückstau bei den Insolvenzen gegeben hatte, stieg die Zahl der eröffneten Verfahren im Vorjahr um 42,5 Prozent auf rund 3.000. Die Zahl der mangels Vermögen abgewiesenen Verfahren schnellte sogar um 95,5 Prozent auf 1.951 in die Höhe. Das ergibt insgesamt einen Anstieg um fast 60 Prozent auf 4.913 Unternehmensinsolvenzen. Das sind 20 pro Werktag, wie der Gläubigerschutzverband Creditreform am Mittwoch mitteilte. 2.207 Insolvenzen entfielen auf die Rechtsform der nicht protokollierten Einzelfirma.


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Die größte Pleite nach Verbindlichkeiten war 2022 jene des Vorarlberger Kraftwerksbauers Bertsch Energy mit 138,3 Millionen Passiva. Betrachtet man die Zahl der betroffenen Beschäftigten, steht Christof Industries Austria GmbH mit 350 Arbeitnehmern an erster Stelle.

Probleme bei Rückzahlung gestundeter Abgaben

Laut Creditreform-Geschäftsführer Gerhard Weinhofer liegen die Insolvenzursachen bei den Unternehmen im Kapitalmangel und damit konkret in Problemen bei der Rückzahlung der gestundeten Abgaben und Steuern sowie in der allgemeinen Wirtschaftslage.

Creditreform-Geschäftsführer Gerhard Weinhofer: 2022 gab es zu viele Krisen. - © Creditreform
Creditreform-Geschäftsführer Gerhard Weinhofer: 2022 gab es zu viele Krisen. - © Creditreform

Lieferkettenprobleme, Fachkräftemangel und vor allem steigende Preise bei Materialien und Vorprodukte hätten zu sinkenden oder gar negativen Margen geführt, da die Teuerung nicht immer an den Endverbraucher weitergegeben werden könne. "Zuerst die Lockdowns, dann der Ukraine-Krieg und die Inflation waren einfach für viele Unternehmen zu viel an Polykrisen", so Weinhofer.

Den stärksten Zuwachs im Bundesländervergleich gab es in Vorarlberg mit plus 127,5 Prozent, gefolgt von Oberösterreich (plus 106,9 Prozent und Tirol (plus 93,9 Prozent. Die meisten Fälle wurden in Wien verzeichnet. Österreichweit mussten mehr als 10 von 1.000 Unternehmen einen Insolvenzantrag stellen. Handel, Dienstleistungen und Bau waren besonders stark betroffen.

Um 18,6 Prozent mehr Privatkonkurse

Die Zahl der Privatinsolvenzen stieg 2020 um 18,6 Prozent auf 9.079. Wien führt mit 2.991 Fällen. Das Vorpandemieniveau ist noch nicht erreicht, aber: "Die pandemiebedingten Zeiten sinkender Privatinsolvenzen sind vorbei", sagt Weinhofer. Und: "Inflation und hohe Zinsen sowie die Auswirkungen der drohenden Rezession werden 2023 die Treiber für weiter steigende Privatinsolvenzen sein."

Es müssten schon massive staatliche Eingriffe durch Ausgleichszahlungen und Preiskontrollen erfolgen, wollte man das Überschreiten der Schwelle von 10.000 Privatinsolvenzen gegen Ende des Jahres verhindern, so der Experte.(red.)