Nach wie vor ist Österreich stark von russischen Gaslieferungen abhängig. Neue Zahlen belegen das. Fragen zur Energieversorgung waren deshalb auch zentrales Thema bei der am Mittwoch zu Ende gegangenen Regierungsklausur in Mauerbach, bei der sich Türkis-Grün auf ein Paket einigten, das den Ausbau erneuerbarer Energien forcieren soll.

Zuletzt jedenfalls ist Russlands Anteil an allen Gasimporten Österreichs wieder markant gestiegen, nachdem er in den Monaten nach Beginn von Putins Angriffskrieg auf die Ukraine (24. Februar 2022) bereits deutlich rückläufig war. Konkret hat sich Russlands Anteil an den Lieferungen im November auf 41 Prozent nahezu verdoppelt, den Dezemberwert gibt es noch nicht.

Vor Kriegsbeginn 80 Prozent

Dabei hatte es für Österreich bei seinen Aktivitäten, die Gas-Abhängigkeit von Europas größtem Land sukzessive zu verringern, schon sehr gut ausgesehen. Nach Kriegsausbruch war dieser Anteil, einst viele Jahre bei etwa 80 Prozent, rasch gesunken - bis Oktober auf 23 Prozent. Teilweise ersetzt wurde russisches Gas vor allem durch norwegisches Gas sowie Flüssiggasimporte, in kleinerem Ausmaß aber auch durch Gas aus Nordafrika und Zentralasien sowie aus Eigenproduktion (insbesondere über die OMV).

Die Energie-Control Austria, die für die Strom- und Gaswirtschaft zuständige Regulierungsbehörde, begründet den Anstieg des russischen Gasanteils im November mit geringeren Importen aus Deutschland und Italien. Demgegenüber seien die Zuflüsse aus Russland relativ konstant geblieben, wie es dort heißt.

Die OMV will zu den Gründen kein offizielles Statement abgeben, da sie anders als die E-Control keinen Überblick über den Gesamtmarkt habe und nur rund 45 Prozent des Kundenmarktes in Österreich abdecke. In ihrem Umfeld heißt es aber, dass es vorstellbar sei, "dass Russland gegen Jahresende wieder etwas mehr geliefert hat, aufgrund der Wärme aber insgesamt weniger verbraucht wurde".

Die Zahlen zu den Anteilen Russlands stammen von der E-Control. Grundsätzlich sind sie mit etwas Vorsicht zu genießen. Denn die E-Control schätzt sie, indem Daten von den Gasübergabepunkten an den Grenzen mit Zahlen kombiniert werden, die der Regulierer aus seinem Marktmonitoring erhält. Da aber die Gasmarktteilnehmer beim Monitoring nicht verpflichtet sind, die genaue Herkunftsquelle des Gases anzugeben, kann es zu Ungenauigkeiten kommen.

Weiter sichere Versorgung

Um Österreichs Gasversorgung in diesem Winter ist es unterdessen weiterhin gut bestellt. Laut dem Lagebericht der Austrian Gas Grid Management AG (AGGM) vom Mittwoch entspricht der aktuelle Füllstand von 84,3 Terawattstunden (TWh) 87,8 Prozent des Gesamtvolumens von 96 TWh. Die AGGM sieht die Versorgung von Endkunden "uneingeschränkt gewährleistet", obwohl die Gasflüsse aus Russland gegenüber den vertraglich zugesagten Mengen schon länger reduziert sind.

Weiter entspannt hat sich auch der Gaspreis. Mit rund 72 Euro je Megawattstunde bewegt er sich derzeit auf dem Niveau von Anfang 2022.

Ihr Browser kann derzeit leider keine SVG-Grafiken darstellen!