Mit Blick auf das gesetzliche Abschöpfen sogenannter Zufallsgewinne infolge der rasant gestiegenen Energiepreise stellt sich die OMV auf eine Abgabe in dreistelliger Millionenhöhe ein. "Basierend auf den vorläufigen Finanzkennzahlen, erwarten wir aus der Solidaritätsabgabe in Österreich eine negative Auswirkung von rund 150 Millionen Euro für das Jahr 2022", gab der teilstaatliche Wiener Öl-, Gas- und Chemiekonzern am Donnerstag in einer Presseaussendung bekannt. Cash-wirksam werde die Abgabe im laufenden Jahr.

Wie berichtet, geht die Solidaritätsabgabe, die auch "Übergewinnsteuer" genannt wird, auf eine Ende September 2022 beschlossene Initiative der EU zurück. Ist der aktuelle Gewinn bei Unternehmen der Öl- und Gasbranche um mehr als 20 Prozent höher als der Durchschnittsgewinn der Jahre 2018 bis 2021, sind vom darüber liegenden Teil 33 bis 40 Prozent an den Fiskus abzuführen. Wie viel letztlich zu zahlen ist, hängt von Investitionen in erneuerbare Energien ab, die steuermindernd angerechnet werden.

Fette Sonderdividende

Mit den Einnahmen aus der Übergewinnsteuer will der Staat seine Entlastungen für private Haushalte und Unternehmen bei den exorbitant angestiegenen Energiekosten finanzieren. Vor diesem Hintergrund kann er auch mit einer Sonderdividende rechnen, welche die OMV aufgrund ihrer kräftig sprudelnden Gewinne bereits vor Monaten in Aussicht gestellt hat. So sollen für 2022 zusätzlich zur regulären Dividende 2,25 Euro pro Aktie ausgeschüttet werden, insgesamt ist von rund 232 Millionen Euro für den Staatssäckel die Rede. An der OMV hält die Republik über ihre Beteiligungsholding Öbag 31,5 Prozent der Anteile.

Ebenfalls bekannt gab der größte heimische Industriekonzern am Donnerstag die Höhe der Versicherungszahlungen für die Raffinerie Schwechat, die durch einen betrieblichen Unfall im Juni 2022 massiv beschädigt wurde und bis Anfang Oktober großteils lahmgelegt war. Dieser Versicherungswert liege bei rund 175 Millionen Euro. Wie die OMV weiter mitteilte, werde der Betrag in der Gewinn- und Verlustrechnung für das vierte Quartal 2022 im bereinigten Betriebsergebnis vor Sondereffekten, im sogenannten CCS Ebit, berücksichtigt. "Allerdings wird dies erst im Jahr 2023 cash-wirksam werden", so der börsennotierte Konzern.

Es gab am Donnerstag aber auch noch andere Neuigkeiten zur OMV: Die Petrochemie-Tochter Borealis, die im Konzern vor dem Hintergrund der Energiewende in Zukunft eine immer größere Rolle spielen soll, hat sich bei dem belgischen Recycling-Spezialisten Renasci eine Mehrheitsbeteiligung gesichert. Sie stockte ihre Anteile an dem in Ostende ansässigen Start-up von 10 auf 50,01 Prozent auf. Der Preis für die zugekauften Anteile wurde nicht genannt. Bei Renasci eingestiegen war Borealis im Juli 2021.
Die Übernahme weiterer Anteile eröffne einen "langfristig gestärkten Zugang zu chemisch recycelten Rohstoffen" sowie zu wichtigen kreislauforientierten Technologien, unterstrich Borealis in einer Presseaussendung.

Das Engagement bei Renasci sei ein "wichtiger Baustein" bei der Umsetzung der Firmenstrategie. Dies soll die OMV-Tochter auf dem Weg zu ihren Kreislaufwirtschaftszielen unterstützen, wie es hieß. Geht es nach Borealis, soll die Menge der kreislauforientierten Produkte und Lösungen bis 2025 auf das Sechsfache – 600 Kilotonnen – anwachsen und bis 2030 auf 1,8 Millionen Tonnen gesteigert werden.

Produktion zuletzt rückläufig

Zu seiner Gesamtproduktion im vierten Quartal 2022 gab der OMV-Konzern am Donnerstag einen Rückgang auf 385.000 Barrel Öläquivalent pro Tag bekannt, im Schlussquartal 2021 hatte die Menge noch 491.000 Barrel betragen. Der durchschnittlich realisierte Ölpreis stieg im Jahresabstand von 77,0 auf 86,3 Dollar je Barrel. Bei Gas war der Sprung noch deutlicher, hier stieg der realisierte Preis von 27,0 auf 46,2 Euro je Megawattstunde.

Deutlich höher fiel auch die Raffineriemarge aus, mit 17,53 (nach 6,15) Dollar je Barrel verdreifachte sie sich fast. Die Auslastung der Raffinerien stieg von 95 auf 96 Prozent.

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