Die gesamte österreichische Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bis 2030 und Klimaneutralität bis 2040. Das hat die Bundesregierung im März 2021 beschlossen. Ambitionierte Ziele, die laut Fritz Herzog, Obmann der Interessensgemeinschaft IG Windkraft aktuell aber noch realistisch sind: "Die 2030er-Ziele sind schon noch zu schaffen, nur müssen wir endlich in die Umsetzung kommen."

Obwohl das Jahr 2022 in vielen Regionen in Europa zu den heißesten seit Beginn der Messaufzeichnungen im Jahr 1767 gehörte, wurde laut Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft, mehr über den Ausstieg aus fossilen Energien gesprochen als tatsächlich umgesetzt. So seien mit Blick auf den nötigen Windkraftausbau bis 2030 nur etwas mehr als die Hälfte der Projekte durch Ziele und Ankündigungen der Bundesländer gedeckt. Außerdem musste aufgrund der Hitzeperioden im vergangenen August erstmals Strom importiert werden, da die heimischen Wasserkraftwerke für nur 77 Prozent der heimischen Stromproduktion aufkommen konnten. Da anhaltenden Trockenheit, wie jene im Sommer 2022, laut Forscher durch den Klimawandel häufiger und intensiver werden, brauche es dringend einen Ausbau der erneuerbaren Energien in Österreich und somit mehr Windräder.

1.500 neue Windräder nötig

Zurzeit stehen in Österreich rund 1.400 Windkraftwerke, die Strom für rund 2,4 Millionen Haushalte liefern. Das entspricht mehr als einem Zehntel des gesamten österreichischen Stromverbrauchs. Die meisten Anlagen, 39 an der Zahl, stehen in Niederösterreich. Mit 140 Megawatt Leistung aus Windenergie liefert das Burgenland mit 33 Anlagen aktuell den meisten Strom. Nachzügler sind Oberösterreich, mit nur einer Anlage, sowie Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Wien, wo sich derzeit kein einziges Windrad findet. Um die Ziele des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes (EAG) und der Wasserstoffstrategie zu erreichen, müssten laut der IG Windkraft in den nächsten sieben Jahren österreichweit rund 1.500 neue Windkräder gebaut werden.

Dass Ausbauoffensiven in der Größenordnung von rund 400 Megawatt, wie jene im Jahr 2014, seither nicht mehr stattgefunden haben, liege auch an langen Bewilligungsverfahren. "Der Großteil der aktuell errichteten Windkraftanlagen, wurde im Jahr 2016 bewilligt", sagt Moidl. Im Schnitt dauere es acht bis zehn Jahre, bis eine Anlage in Betrieb gehe. Beschleunigt werden soll der Ausbau in Zukunft durch eine Novelle der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), welche von der Regierung bei der Klausur in Mauerbach beschlossen wurde. "Die UVP-Novelle und das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz begrüßen wir natürlich sehr", sagt die stellvertretende Geschäftsführerin der IG Windkraft, Ursula Nährer.

Was die UPV-Novelle im Detail regle, sei noch nicht bekannt. "Wir gehen aber davon aus, dass eine bessere Strukturierung des ganzen Verfahrens geregelt wird: Fristen für etwaige Einsprüche, Online-Zuschaltung von Gutachtern und auch, dass das öffentliche Interesse gesetzlich verankert wird", so Nährer.

Bundesländer in der Pflicht

Zudem fordert die IG Windkraft eine bessere Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern, vor allem, was die Verantwortlichkeit für einen Ausbau der Windkraft betrifft. So hat beispielsweise das Land Oberösterreich eine 160 Seiten starke Klima- und Energiestrategie vorgestellt, in der jedoch wenig Augenmerk auf den Ausbau der Windkraft gelegt wurde: "Der Ausbau der Windkraft in Oberösterreich soll durch Repowering-Investitionen in bestehende Windkraftanlagen sowie naturschutzverträgliche Erweiterung bestehender Windkraftanlagen mit neuen, leistungsstarken Windrädern erfolgen", findet sich dort. Einen Neubau - wie jenes seit 2013 geplante Projekt in der Atterseeregion, das 15 Ortschefs von der Landespolitik fordern - soll es nicht geben. Vorhaben wie diese sollen künftig auch ohne der nötigen Widmung in der Energieraumplanung eines Landes möglich sein: "Das ist dann schon ein Anreiz, wenn ein Bundesland noch keine Zonen ausgewiesen hat", sagt Nährer.

Imageprobleme

Dass Windräder nicht immer den besten Ruf genießen, liege laut IG Windkraft vor allem an der Sichtbarkeit und der Ornithologie - oft ist die Angst groß, dass sich die Windräder auf die Vogelpopulation auswirken. "Vor allem ältere Personen, die ihre Umgebung so seit 70 Jahren kennen, stört ein Windrad natürlich, während es für Jüngere selbstverständlich ist, weil es für sie immer schon dort gestanden ist", spricht Moidl ein Generationenthema an. Jener Kritik in Sachen Vogelpopulation entgegnet der Geschäftsführer mit Blick auf den Neusiedlersee, dass Windräder auch am Rande von Naturschutzgebieten möglich seien, wenn dem Projekt eine ordentliche Planung vorausgehe.

Erreichen könne man die Ziele für 2030 und 2040 jedoch nur, wenn alle an einem Strang ziehen, da sich die Technologien ergänzen: "Wind ergänzt Wasser und Sonne aufgrund der Hauptproduktionszeit im Winter sehr gut. Neben dem Wind brauchen wir Wasser, Biomasse und auch die Geothermie. Das kann nur funktionieren, wenn wir alles nutzen."