Nun ist es amtlich. Die Inflation betrug im Vorjahr 8,6 Prozent. Das ist der höchste Wert seit 1974; wobei der Jahresdurchschnitt damals bei 9,5 Prozent lag. Im Dezember lag die Teuerung gegenüber dem Vormonat laut Statistik Austria bei 10,2 Prozent. Damit fiel sie einen Hauch geringer aus als im November, wo sie 10,7 Prozent betrug. Insgesamt hat sich die Inflation gegenüber 2021 mehr als verdreifacht.

Die Haushaltsenergie und Treibstoffe waren die Hauptpreistreiber. Sie sind im Jahresvergleich um 36,8 Prozent beziehungsweise um 42 Prozent gestiegen.

Aber auch Wohnen und Nahrungsmittel sind deutlich teurer geworden. Der wöchentliche Einkauf und typische Dienstleistungen wie etwa Friseurbesuche, der sogenannte Miniwarenkorb, sind um 14,7 Prozent gestiegen. Für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke zahlen wir heute rund 10,7 Prozent mehr als im Jahr 2021. Wobei hier aufgrund des Ukraine-Kriegs vor allem Öle und Fette stark gestiegen sind, nämlich um 22,6 Prozent.

Energiepreise sinken

Der Gaspreis ist im Vorjahr am stärksten gestiegen, um ganze 80 Prozent gegenüber 2021. Feste Brennstoffe verteuerten sich um 58,4 Prozent. Für Wohnen, Wasser und Energie zahlten Haushalte insgesamt um 12,6 Prozent mehr als im Jahr 2021. Allerdings wäre der Preisanstieg zumindest im Dezember ohne Strompreisbremse deutlich stärker ausgefallen, nämlich 10,8 statt 10,2 Prozent. "Zum Rückgang haben sowohl die Strompreisbremse als auch der stark nachlassende Preisdruck bei Treibstoffen beigetragen", sagte Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas am Montag vor Journalisten.

Für heuer erwarten die Wirtschaftsforscher eine durchschnittliche Jahresinflationsrate von 6,5 Prozent. Ohne Strompreisbremse wären es 7,5 Prozent, zeigen Berechnungen des Wifo. Das ist zwar weniger als 2022, aber deutlich über dem Schnitt der letzten zwei Jahrzehnte.

Dienstleistungen teurer

"Es könnte sogar sein, dass wir unsere Inflationsprognose im Laufe des Jahres nach unten korrigieren müssen", sagt der Ökonom Joseph Baumgartner vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) zur "Wiener Zeitung". Das liegt daran, dass der Gaspreis im Großhandel aktuell bei rund 75 Euro pro Megawattstunde liegt, eingepreist war er mit fast 100 Euro. Allerdings ist die Lage auf den Energiemärkten noch immer unsicher. Russland könnte noch immer einen vollständigen Gaslieferstopp verhängen. Und ein längerer Kälteeinbruch wird dazu führen, dass sich die Gasspeicher schneller leeren, als es derzeit der Fall ist.

Teurer werden heuer jedenfalls Nahrungsmittel, einige Waren und Dienstleistungen, erklärt Baumgartner. Zum einen werden etwa bei Nahrungsmitteln jetzt die hohen Energie- und Logistikkosten eingepreist. Zum anderen wirken sich auch die gestiegenen Arbeitskosten preistreibend aus. "Aufrund der hohen Lohnabschlüsse im Herbst sind die Arbeitspreise heuer deutlich gestiegen." Das würden Konsumenten und Konsumentinnen vor allem im Dienstleistungsbereich zu spüren bekommen.

Während die Lohnstückkosten pro Stunde im Vorjahr um 2,1 Prozent gestiegen sind, rechnet das Wifo heuer mit einem Plus von 8,3 Prozent gegenüber 2022. Außerdem rechnet Baumgartner ab Jahresmitte mit einer deutlich schwächeren Inflation. Die Energieanbieter werden wohl bald ihre Haushaltstarife anpassen und die sinkenden Strom- und Gaspreise auch an die Kundinnen und Kunden weitergeben. (del)