Die Aufregung in der oberösterreichischen Nationalparkgemeinde Molln war groß, als am vergangenen Wochenende Pläne über eine Gasbohrung an der Grenze zum Naturschutzgebiet bekannt wurden. Die ADX Vie GmbH, eine österreichische Tochter des australischen Energieunternehmens ADX Energy Ltd., will dort im Frühjahr Probebohrungen durchführen. In besten Schätzungen geht man von einem 22 Milliarden Kubikmeter großen Erdgasvorkommen aus - das würde in etwa der Menge entsprechen, die Österreich in drei Jahren verbraucht.

Die Gemeinde sei wenige Tage vor Weihnachten über die geplanten Probebohrungen des Speicherunternehmens RAG (Renewables and Gas) informiert worden. Dass in der Region fossile Energieträger unter der Erde schlummern, weiß man in Molln seit den 1980er-Jahren: "Damals ist in der Scheiblingau nach Öl gesucht worden", sagt Ulrike Brunner (SPÖ), Vizebürgermeisterin der Gemeinde Molln. Gefördert wurde aber nie: "Das Öl sei zu weit unter der Oberfläche gewesen, hat man uns dann mitgeteilt, aber Gasvorkommen wurden gefunden", sagt Brunner. Erschlossen wurden diese Gasvorkommen nicht. Es zahlte sich wirtschaftlich nicht aus - es sei billiger gewesen, Gas nach Österreich zu importieren.

Gasförderung noch kein Thema

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Im April 2022 hat ADX Energy Ltd. eine Aufsuchungslizenz für dieses Gebiet bei der österreichischen Montanbehörde, damals noch im Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus angesiedelt, erworben. Mit der Regierungsumbildung - und dem Rücktritt von Elisabeth Köstinger (ÖVP) sowie der Angelobung von Norbert Totschnig (ÖVP) als Landwirtschaftsminister - im Mai des Vorjahres, sind die Bergbauagenden dann ins Finanzministerium abgewandert. Sollten sich die Annahmen des Unternehmens nach den Probebohrungen bestätigen, müsste dort nach einer Bohr- und Förderlizenz angesucht werden.

Zwar liege das Gasfeld laut dem Unternehmen nur rund zwei Kilometer unter der Erdoberfläche und nur 18 Kilometer vom nationalen Erdgasnetzwerk - das Oberösterreich über das Kremstal mit der Steiermark verbindet - entfernt. Für die Errichtung einer Förderanlage wird es aber ob der Nähe zum Nationalpark und des direkt angrenzenden Naturschutzgebietes Jaidhaus umfassende Umweltprüfungen brauchen.

Aufgrund mangelnder technischer Kenntnisse hält sich die oberösterreichische Umweltanwaltschaft derzeit noch bedeckt, sieht die größten naturschutzrechtlichen Herausforderungen allerdings in der Bohrfläche und dem dazugehörigen Abtransport. Eine Absprache der Firma ADX Energy Ltd. mit den Österreichischen Bundesforsten (ÖBf) zur Lagerung von Aushubmaterial auf einem Holzlagerplatz der Österreichischen Bundesforste in der Welchau gebe es bereits.

Dass nur rund zwei Kilometer vom Nationalpark entfernt Probebohrungen stattfinden sollen, erfuhr die Verwaltung des Nationalparks Kalkalpen aus den Medien. Derzeit versuche man dort nähere Informationen zu einem möglichen Projekt zu erlangen, um allfällige Auswirkungen auf den Nationalpark abschätzen zu können. "Wir gehen davon aus, dass der Nationalpark in weitere Verfahren entsprechend eingebunden und angehört wird, um die Interessen des Nationalparks bestmöglich zu wahren", sagt Nationalparkdirektor Josef Forstinger.

Weitere Projekte geplant

In derselben Aussendung von ADX Energy Ltd. finden sich zwei weitere Projekte in Oberösterreich, die in kurzer Zeit "bohrbereit" seien. Das "Multi-Energie-Ressourcen-Prospektionsgebiet Gmunden" und eine "Möglichkeit zur Neu-Entwicklung eines bestehenden Ölfeldes" in der Gemeinde Piberbach im Bezirk Linz-Land. In der Gemeinde im oberösterreichischen Zentralraum erfährt man davon erst durch eine Anfrage der "Wiener Zeitung": "Mit uns hat niemand Kontakt aufgenommen, ich habe von diesem Projekt keinen Wissensstand", sagt der Piberbacher Bürgermeister Markus Mitterbaur (ÖVP). Zwar habe es im Gemeindegebiet bis 1995 ein Ölfeld des österreichischen Erdöl- und Erdgaskonzerns OMV gegeben, dieses sei aber vollständig aufgelassen worden. Infrastruktur von damals sei laut Mitterbaur nicht mehr vorhanden: "Sämtliche Leitungen sind damals ordnungsgemäß abgebaut, entleert und entsorgt worden."

Im "Multi-Energie-Ressourcen-Prospektionsgebiet Gmunden" erhofft sich ADX Energy Ltd. laut Aussendung "seichte, schnell zu monetarisierende Gasziele, sowie ein tiefer gelegenes Geothermieziel." Von ebenjenen Gaszielen "ist in Gmunden nichts bekannt, beziehungsweise wurden wir darüber nicht informiert", so die Gemeinde zur "Wiener Zeitung". Anders sieht dies bei der möglichen Erdwärmenutzung aus: "Die Möglichkeit einer geothermischen Energienutzung in Gmunden ist bekannt und wird auch weiterverfolgt."

Politik zwiegespalten

Sowohl Vertreter der Bundes- als auch der Landespolitik stehen dem Projekt in Molln mit gemischten Gefühlen gegenüber. Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) sei - wie im ZiB2 Interview am Sonntag angesprochen - zwar grundsätzlich gegen die Förderung fossiler Energieträger in Österreich, wenn Projekte wie jene in Molln aber einen aktuellen Beitrag in Sachen Versorgungssicherheit leisten können, "dann bin ich dafür, dass man das auch prüft".

Ähnlich sieht man die Thematik auch im Land Oberösterreich. So sei Erdgas einerseits wichtig, um eine ausreichende Energieversorgung sicherzustellen und andererseits, um die Abhängigkeit von fossilen Energien aus Russland weiter zu verringern. "Daher ist es gut, wenn jetzt geprüft wird, ob Erdgasvorkommen in Oberösterreich vorhanden sind und wie rasch diese genutzt werden können. Denn eine Nutzung heimischer Erdgasvorräte macht nur dann Sinn, wenn sie in nächster Zeit gefördert werden können", sagt der oberösterreichische Wirtschafts- und Energielandesrat Markus Achleitner (ÖVP).