Genau jetzt sei es eine riesige Herausforderung, die langfristigen Klimaziele und gleichzeitig die Versorgungssicherheit zu sichern, meint der österreichische Wissenschafter Michael Obersteiner, Direktor des Environmental Change Institute der Universiät Oxford bei der Eröffnungspressekonferenz des 70. Ökosozialen Forums in Wien am Dienstag. Obersteiner fordert angesichts der Klimakrise eine "bessere Politikausstattung" und mehr Effizienz dabei. "Die Emissionen müssen nicht nur sinken, sondern sie müssen negativ werden", so der Wissenschafter.

Nicht Einzelmaßnahmen seien hierfür angebracht, das Ziel müsse eine zirkuläre Bioökonomie sein. "Das fängt bei Biogas an, aber im Verbund mit der Materialwirtschaft und den erneuerbaren Energien. Dabei wird Kohlenstoff aus pflanzlicher Biomasse dazu verwendet, den Wasserstoff zu tragen, der aus den erneuerbaren Energien kommt. Den Wasserstoff nur aus der Biomasse zu holen, wird nicht ausreichen. Zudem müssen wir CO2 aus der Atmosphäre holen und in die Böden und geologischen Formationen bringen."

Biolandbau und Kohlendioxid

Laut Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) ist Österreich "Weltmeister, was Nachhaltigkeit und Biolandbau" betrifft, und will den Anteil der Bio-Flächen bis 2030 noch auf 35 Prozent steigern. Totschnig betonte, dass sich die kleinstrukturierte, flächendeckende Landwirtschaft in Österreich hinsichtlich der Versorgungssicherheit bewährt hätte. Mit ihrer Biomasse und den Flächen könne sie auch Abhilfe hinsichtlich der Energiekrise leisten.

Laut aktueller Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo) zum Thema Umwelt- und Klimaeffizienz liegt die heimische Landwirtschaft bei der Produktion an CO2-Äquivalenten je Euro Wertschöpfung bei 1,68 Kilogramm - in Deutschland sind dies um 20 Prozent, in Großbritannien 50 Prozent mehr. Trotz Produktionsanstiegs ist der Treibhausgasausstoß im heimischen Agrarbereich seit 1990 um etwa ein Fünftel zurückgegangen, zitiert der Präsident des Ökosozialen Forums, Stephan Pernkopf, die Wifo-Studie.

In seinem im März 2022 erschienen "Faktencheck Klimawandel, Landwirtschaft, Ernährung" kommt das Wifo allerdings - wie Obersteiner - zu dem Schluss, dass "die gegenwärtigen Ernährungssysteme und der Handel mit Agrarprodukten nicht nachhaltig sind" und fordert einen systemischen Wandel. Nachhaltige und klimaschonende Landwirtschaft werde nicht ausreichend politisch gefördert. Vielmehr würden "kontraproduktive Instrumente und Rahmenbedingungen die Transformation hin zu einer klima- und umweltbewussten Landwirtschaft" hemmen, urteilt das Wifo.(apa/mojo)