Wer derzeit eine Umfrage macht, muss mit Ergebnissen rechnen, die sich rasch verändern. Denn das aktuelle "Multikrisen-Szenario" aus Krieg und Inflation, Energieproblematik, Lieferketten-Chaos und Klimawandel führt zu komplexen Anforderungen. Die Stimmungslage ist entsprechend instabil. Dies schlägt sich auch im jüngsten "Global CEO Survey" von PricewaterhouseCoopers (PwC) nieder. Dieser ergab noch im Oktober/November 2022 ein 15-Jahres-Tief bei der Zuversicht auf Geschäftsführer-Ebene.

Bereits kurz vor dem Jahreswechsel drehte sich die Stimmung der 4.400 weltweit und 32 in Österreich befragten CEOs aber wieder. Es sei wohl alles ",net‘ so schlimm, wie geglaubt", so PwC-Österreichchef Rudolf Krickl bei einem Pressegespräch am Donnerstag in Wien. Zwischen Weihnachten und Silvester habe sich das Investitionsklima spürbar verbessert und den Pessimismus vom Herbst abgeschwächt, als noch 72 Prozent der Firmenchefs für 2023 mit einer Rezession rechneten.

Dennoch, der Druck steigt und die Zeit drängt. Die Firmen müssen sich mit der Transformation ihres Geschäftes befassen, immerhin jede fünfte Führungskraft in Österreich befürchtet laut Umfrage, dass ihr Unternehmen in zehn Jahren nicht mehr besteht, wenn nicht rasch auf das Multikrisenszenario reagiert wird.

Cyberbedrohung steigt

Der Sorgenkanon der befragten Firmenchefs war jahrelang fast unverändert. Kurzfristige Neuzugänge gab es zuletzt zwar aufgrund der Pandemie, diese sind nun aber wieder in den Hintergrund getreten. Prominenter vorgerückt sind hingegen Cyberbedrohungen. Sie werden nicht mehr nur von den IT-Abteilungen wahrgenommen, sondern wurden auf das C-Level gehoben. "In Österreich sind nun auch Familienunternehmen betroffen, sie zahlen viel zu oft Lösegeld, um dann festzustellen, dass die Entschlüsselung der Daten nicht Hauptinteresse und Kernkompetenz der Kriminellen ist", fasst es Krickl zusammen. Die Geschäftsführer hätten nun verstanden, dass Cyberangriffe existenzbedrohend sein könnten - Teams wurden aufgestockt, Spezialisten hinzugezogen.

Sorgenkind Personalmangel

Nicht nur hierbei macht sich jedoch ein weiteres Sorgenkind der CEOs bemerkbar: der Personalmangel. "Wir brauchen einen anderen Zugang zu Arbeitszeiten. Wichtig ist auch, wie man mit Menschen umgeht, die bald in Pension gehen. Die Work-Life-Balance wiederum ist für die Jungen ausschlaggebend", erklärt Wolfgang Anzengruber, Ex-Verbund-CEO und nun Vorstand der "CEOs for Future". "Geld allein wird das nicht mehr richten!"

Unternehmen investieren derzeit zunehmend in eigene Aus- und Weiterbildung. Auch die Suche nach Talenten am globalen Arbeitsmarkt wird zur Überlebensfrage. Strukturierte Zuwanderung sei hier notwendig, betont PwC-Österreich-Chef Krickl. Die Überalterung der Bevölkerung mischt die Karten hier neu.

Auch Klimawandel und Nachhaltigkeit sind in der Chefetage angekommen: Neun von zehn heimischen Unternehmen haben bereits Maßnahmen zur CO2-Reduktion gesetzt. "Die CEOs sind mit Denken und Strategie weiter als man denkt", so Anzengruber.

Nachhaltiger "Popcorn-Effekt"

Zur Frage, ob man da nicht zu spät dran sei, meint er: "Das ist der Popcorn-Effekt, erst bewegt sich wenig, aber dann geht es sehr schnell." Mittlerweile sei die Nachhaltigkeit in den Geschäftsmodellen angekommen, denn ohne diese werde nicht mehr in die Unternehmen investiert. Stellgrößen seien dabei Produktionsart, Ressourcen und Lieferketten.

Zum Subventions-Wettlauf zwischen Nordamerika und Europa - Stichwort "Inflation Reduction Act" - meint Anzengruber abschließend: "Das sind gut gemeinte, aber patscherte Maßnahmen." Auf unterschiedlichen Märkten gebe es stets unterschiedliche Gegebenheiten, das sei normal. "Und Protektionismus ist keine nachhaltige Strategie."