Im oberösterreichischen Molln soll sich im Frühjahr herausstellen, ob und wie viel Erdgas künftig gefördert werden kann. Derzeit bereitet die ADX VIE GmbH, die österreichische Tochter des australischen Unternehmens ADX Energy Ltd., die für die Probebohrungen notwendige Unterlagen vor. Anschließend entscheidet die Montanbehörde im Finanzministerium, ob probegebohrt werden darf oder nicht.

Sechs bis acht Wochen würde es laut dem Unternehmen dauern, bis man in 1.950 Meter auf Gas stößt oder nicht. Über genaue Angaben zur Wahrscheinlichkeit, dass man Gas findet und dieses gefördert werden kann, hält sich ADX bedeckt. Generell gehöre es aber zu den eher riskanteren Vorhaben des Unternehmens - bis zu den Probebohrungen liegen die Annahmen nach Berechnungen weit auseinander: Rund 4 Milliarden Kubikmeter Gas unter Molln zu finden, sei demnach zu 90 Prozent wahrscheinlich; dass man mehr als 40 Milliarden Kubikmeter findet, sei mit 10 Prozent hingegen sehr unwahrscheinlich. Die vielfach kolportierten 22 Milliarden Kubikmeter, die dem dreifachen österreichischen Jahresbedarf entsprechen, befinden sich somit ungefähr in der Mitte des Spektrums. Die Berechnungen gehen auf das Bohrloch "Molln 1" zurück, wo im Jahr 1989 im Zuge einer Ölbohrung Gas gefunden, aber nicht weiter erschlossen wurde.

Das Bohrvorhaben im Jaidhaustal, brauche rund 5.000 Quadratmeter an Platz - weniger als 100 davon sollen laut dem Unternehmen betoniert werden. Bei einem Fund beabsichtige man, die Stelle zu verkleinern. Sollte hingegen kein Gas gefunden werden, werde man das Bohrloch mit Zementschlämme füllen und die Röhre anderthalb Meter unter der Ackersohle abschneiden. Die restliche geschotterte Fläche würde man abtragen, um ein ähnliches Landschaftsbild wie vor der Probebohrung zu hinterlassen.

Und wenn kein Gas da ist?

Sollte der Erfolg eines Gasfundes für das Unternehmen im Jaidhaustal ausbleiben, müsse anhand der Bohrergebnisse entschieden werden, ob nach einer anderen Stelle im Prospektionsgebiet gesucht werde oder nicht. Die Möglichkeit bestehe zwar, jedoch bedarf es laut Unternehmen ungefähr einer 7.000 Quadratmeter ebenen Fläche, die zudem mit Fahrzeugen angefahren werden kann. Ein schwieriges Unterfangen, da auch die Suche nach der geplanten Bohrstelle eine - vor allem topografisch - schwierige war.

Dass ADX Vie GmbH überhaupt im großen Stil nach Gas suchen kann, dafür hat das Unternehmen vor rund zwei Jahren AGS-Verträge mit der Montanbehörde - damals noch im Landwirtschaftsministerium, heute im Finanzministerium - abgeschlossen. Jene Papiere wurden im April des Vorjahres um weitere Gebiete ergänzt. Aktuell umfasse diese Aufsuchungslizenz etwas mehr als 1.000 Quadratkilometer. Das entspricht einer Fläche, die in etwa halb so groß ist wie jene des Bundeslandes Vorarlberg.

Zu den weiteren Projekten in Oberösterreich zählen ein Gas- und Geothermie-Projekt in Gmunden und ein potenzielles Ölfeld in Piberbach. Beide Vorhaben seien zwar fertig untersucht und geplant, sodass eine Umsetzung jederzeit begonnen werden könne. Allerdings fehlen dem Unternehmen dafür Investoren. Mit rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit zählt ADX Energy Ltd. zu den eher kleineren Betrieben - 2022 lag der Umsatz des Unternehmens bei rund zehn Millionen Euro.

Dass ein Vorhaben wie "Welchau 1" Molln aufgrund der Unternehmensgröße gar nicht möglich sei, lässt man so nicht stehen. In den beiden niederösterreichischen Gemeinden Zistersdorf und Waldneukirchen betreibt ADX Vie GmbH aktive Erdöl- und Erdgaslagerstätten. Zudem betont man seitens der Firma, dass es in den vergangenen beiden Jahren das einzige Unternehmen in Oberösterreich war, dass Aufsuchungsbohrungen durchgeführt hat. Das erschlossene Vorkommen in Anshof wird derzeit untersucht und bewertet und soll in den kommenden Monaten an die bestehende Öl- und Gasinfrastruktur angebunden werden. Generell sieht ADX großes Potenzial in Österreich: Der rund 20 Prozent umfassende Eigenerdgasanteil aus den 2000er Jahren würde man gerne wieder erreichen und auf mehr als 20 Prozent anheben. Derzeit reiche das heimische Gas für weniger als zehn Prozent des österreichischen Gasbedarfs.

Widerstand wächst

In Molln formiert sich zeitgleich Widerstand gegen die geplanten Bohrvorhaben: Christian Hatzenbichler, der sich seit Jahren für Umweltanliegen in der Region einsetzt, plant derzeit eine Bürgerinitiative gegen das Projekt zu formieren. Neben der lokalen Bevölkerung hat sich bisher auch der Naturschutzbund Österreich dagegen ausgesprochen: Nicht nur, dass Natur geopfert werden soll - die Erschließung neuer fossiler Energiequellen steht dem dringend notwendigen Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger diametral entgegen", betont Naturschutzbund-Präsident Roman Türk.