Im Durchschnitt leben ausländische Staatsbürger in Österreich eher in Gegenden, in denen eine höhere Feinstaubbelastung festgestellt wird. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung zum Thema "Umweltungleichheit", die ein Team um Klara Zwickl vom Department für Sozioökonomie an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien durchgeführt hat. Die noch nicht von Fachkollegen begutachtete Studie (Preprint) zeigt auch, dass dieser Effekt vom Einkommensniveau nahezu unabhängig ist.

Das Team hatte für seine vom Wissenschaftsfonds FWF geförderte Untersuchung vollständige Daten bis auf die Gemeinde- bzw. Bezirksebene in Wien zur Verfügung. Der Fokus lag auf den gemessenen, regionalen Feinstaubbelastungen und Informationen zum Einkommen, dem Bildungsstand und zur Staatsbürgerschaft der Bewohner im Jahr 2015, wie Zwickl im Gespräch mit der APA erklärte.

Schwache Datenlage in Europa

Viele Erkenntnisse gebe es hierzulande zum Thema Umweltungleichheit noch nicht. Der Forschungsbereich stecke im Gegensatz zu den USA noch in den Kinderschuhen. Das hat historische Gründe, da in den USA Bürgerrechtsbewegungen schon früh etwa darauf hingewiesen haben, dass beispielsweise Giftmüll-Lagerstätten vorrangig in der Nähe von Regionen eingerichtet wurden, wo vor allem Minderheiten oder Menschen mit geringem Einkommen wohnten.

Dementsprechend könne man in den USA mittlerweile auf Knopfdruck online Daten bis in die 1990er-Jahre aufrufen, die es erlauben, derartige Zusammenhänge zu erkennen. Obwohl in Europa das Thema Ungleichheit - auch in Bezug auf den Zugang zu intakter Umwelt und sauberer Luft - immer wieder auf der politischen Agenda steht, ist man in unseren Breiten aber davon weit entfernt, sie so genau fassen zu können, so die Wissenschafterin.

"Unsere Studie ist nun die erste, die sich aktuelle Umweltbelastungen - also Immissionen - ansieht", sagte Zwickl in Bezug auf Österreich. Insgesamt mehr Feinstaubbelastung gibt es vor allem im Osten des Landes sowie in Beckenlagen, wie um Graz. Je gebirgiger das Land ist, desto niedriger die vor allem durch die Industrie und den Verkehr verursachten Konzentrationen. Die Wissenschafter interessierten sich vor allem für Unterschiede innerhalb von Bundesländern oder politischen Bezirken, da es wahrscheinlicher ist, dass aufgrund der Luftqualität innerhalb einer Region umgezogen wird, und man eher nicht gleich vom Osten in den Westen zieht.

Mehr Belastung in Gegenden mit höherem Ausländer-Anteil

"Wir finden Umweltungleichheit insgesamt und auch innerhalb den Regionen", betonte Zwickl. Beim Blick auf die Staatsbürgerschaft zeigte sich, dass die Feinstaubbelastung in Gegenden mit höherem Ausländer-Anteil im Schnitt höher ist. In ihrer Baseline-Schätzung finden die Forscherinnen und Forscher, dass ein um zehn Prozentpunkte höherer Ausländer-Anteil mit einer fünf Prozent höheren Feinstaubbelastung in der Gemeinde einhergeht. Ergebnisse in ähnlicher Größenordnung finden sich auch auf Bundes-, die Länder-und die Bezirksebene.

Nun könnte man denken, dass Menschen mit Migrationshintergrund eher in Gegenden wohnen, wo die Wohn- und Lebenserhaltungskosten niedriger sind, was wiederum damit zusammenhängen kann, dass diese aufgrund von mehr Verkehr, Industrie und Umweltverschmutzung weniger attraktiv sind. Die Forscherinnen und Forscher rechneten daher den komplexen Beitrag des durchschnittlichen Einkommensniveaus heraus.

Dabei zeigte sich, dass das Einkommen "recht wenig Unterschied" macht: "Ausländische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger sind immer noch überproportional von Feinstaubbelastung betroffen." Habe man es mit zwei Gemeinden mit im Schnitt gleichem Einkommen pro Kopf zu tun, hat jene mit dem höheren Anteil ausländischer Staatsbürger "immer noch die höhere Feinstaubbelastung", so Zwickl. Am stärksten war dieser Effekt in den Städten, wo auch der Großteil der ausländischen Bürger wohnt. In ländlichen Gebieten wiederum waren vor allem Menschen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen im Vergleich mit mehr Feinstaub konfrontiert, so ein weiteres Ergebnis der Studie.

Um wissenschaftlich sauber festzumachen, wodurch diese Unterschiede verursacht werden, bräuchte es Daten über längere Zeiträume hinweg. Aus Untersuchungen in anderen Ländern weiß man zum Beispiel, dass neben dem Effekt, dass Menschen mit niedrigerem Einkommen eher in günstige Gegenden mit schlechterer Luftqualität ziehen, auch andere Faktoren eine Rolle spielen. So etwa, dass US-Industriebetriebe ihre Standorte eher in Regionen ansiedeln, wo die Bevölkerung es sich nicht leisten kann, viele Einwände dagegen zu erheben. Ob das hierzulande auch der Fall ist, sei offen, so Zwickl. (apa)