Eines vorweg: Der börsennotierte Flughafen Wien bleibt weiter mehrheitlich in österreichischen Händen. Zwar hat seine größte Einzelaktionärin, die in Luxemburg ansässige Airports Group Europe, die aktuell gut 40 Prozent hält, vom Wirtschaftsministerium in Wien nun die Freigabe für ein auf den Streubesitz gerichtetes Teilangebot erhalten. Doch selbst wenn alle Streubesitzaktionäre, auf die 9,9 Prozent der Anteile entfallen, das Offert annehmen und ihre Papiere verkaufen, besteht keine Gefahr, dass die Flughafen Wien AG, die Betreibergesellschaft des größten österreichischen Airports, unter ausländische Kontrolle gerät.

Denn die rot-weiß-roten Kernaktionäre - die Länder Wien und Niederösterreich (je 20 Prozent) sowie die Flughafen-Mitarbeiterstiftung (10 Prozent), deren Anteile syndiziert sind - sorgten im vergangenen Herbst dafür, dass die Airports Group niemals die Mehrheit erreichen kann. Der Grund: Sie erwarben an der Börse acht Flughafen-Aktien und sicherten sich damit über die gemeinsam gehaltenen 50 Prozent hinaus eine hauchdünne Mehrheitsbeteiligung.

Kritische Infrastruktur

Da es sich beim Flughafen Wien um kritische Infrastruktur handelt, hat das Wirtschaftsministerium dem freiwilligen Teiloffert der Airports Group nur unter Auflagen zugestimmt. So darf der ausländische Kernaktionär für die Wahl in den Aufsichtsrat, dem elf Kapital- und fünf Arbeitnehmervertreter angehören, maximal zwei Kandidaten benennen und auch keine Änderung der Satzung vorschlagen. Außerdem bestünden Berichtspflichten gegenüber dem von Martin Kocher (ÖVP) geführten Ministerium, vor allem was die Einhaltung der Auflagen betrifft. Darüber informierte der australische Infrastrukturfonds IFM, der hinter der Airports Group steht und Gelder von Pensionskassen veranlagt, in einer Pressemitteilung vom Dienstag.

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Das Teilangebot selbst lief bereits im Herbst, aber wegen des vom Wirtschaftsministerium eingeleiteten Verfahrens ohne Nachfrist. Dabei konnte die Airports Group aber kaum punkten. Nur 1,78 Prozent des Grundkapitals wurden vom Streubesitz angedient. Mit der Nachfrist wird das Offert jetzt um zehn Börsentage verlängert, die Frist beginnt am 26. Jänner und endet am 8. Februar.

Geboten werden 34,00 Euro je Aktie. IFM-Repräsentant Werner Kerschl rührte am Dienstag die Werbetrommel: "Wir sind überzeugt, dass der Angebotspreis eine attraktive Prämie für die Aktionäre darstellt, insbesondere wenn man die nach wie vor große Unsicherheit in der Luftfahrtindustrie bedenkt." Der Manager sprach von einer "Chance für Aktionäre, ihre Anteile an einer ansonsten relativ illiquiden Aktie zu einem attraktiven Preis zu verkaufen".

Indes bekräftigte das Management des Flughafens seine bisherige Empfehlung an die Streubesitzaktionäre, das Offert nicht anzunehmen. "Angesichts der guten Entwicklungsaussichten des Unternehmens erscheint der Angebotspreis zu niedrig", hieß es da. Unterstrichen werde das von der zuletzt veröffentlichten Ergebnisprognose für 2023, die einen Nettogewinn von mehr als 150 Millionen Euro in Aussicht stelle. Überdies sei die Flughafen Wien AG zum ersten Mal seit Jahrzehnten schuldenfrei.

Börsen-Listing kaum gefährdet

Auch Anlegerschützer Florian Beckermann bezeichnete das Offert als "wirtschaftlich nicht attraktiv". Er rät ebenfalls davon ab, es anzunehmen.

Die Gefahr, dass der Flughafen als Titel vom Kurszettel der Wiener Börse verschwinden könnte, sieht der Chef des Interessenverbandes für Anleger (IVA) nicht. "Einem ,Delisting‘ stehen wir gelassen gegenüber, solange sich die drei österreichischen Kernaktionäre weiter zum Kapitalmarkt bekennen", sagte Beckermann zur "Wiener Zeitung".

Zu einem Rückzug von der Börse käme es nur dann, wenn es der Airports Group gelingt, sämtliche Streubesitzaktien in ihr Eigentum zu bringen (das würde auf Basis des Angebots im Übrigen rund 286 Millionen Euro kosten). In Fachkreisen gilt das aber als äußerst unwahrscheinlich.