Krieg in Europa, unsichere Energiepreise, steigender Wettbewerbsdruck sowie eine hohe Inflation - das vergangene Jahr war von einigen Krisen geprägt. Laut der Industriellenvereinigung (IV) erkenne man nun aber Vorboten einer konjunkturellen Stabilisierung. "Das heißt aber nicht, dass die nächsten sechs Monate nicht konjunkturell herausfordernd sein werden", betont IV-Chefökonom, Christian Helmenstein, bei der Präsentation der IV-Konjunkturumfrage des 4. Quartals 2022 am Dienstag.

Man habe es nach der Insolvenz der Lehman Brothers im Jahr 2008 und den Auswirkungen der Pandemie nicht mit einer dritten Großkrise zutun. "Diese Überzeugung beginnt sich in der Industrie in Österreich und Deutschland zu verbreiten", so Helmenstein. Dies zeigt sich auch in den Ergebnissen der Konjunkturumfrage, an der 403 Unternehmen teilnahmen. Demnach glauben die Unternehmen, dass sich die Geschäftslage in sechs Monaten verbessert. Gleichzeitig soll sich die Ertragssituation in einem halben Jahr auch verbessern. Weiters rechnen die Betriebe in den nächsten drei Monaten mit steigender Produktion und damit einhergehend mehr Beschäftigten.

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Die Einschätzung zur aktuellen Geschäftslage hat sich allerdings im Vergleich zum vergangenen Quartal gemeinsam mit dem Auftragsbestand erneut verschlechtert. Die Situation beginne sich laut Helmenstein allerdings zu bessern; vorausgesetzt, der Krieg in der Ukraine eskaliert nicht oder andere unerwartete Negativereignisse treten ein.

Von Subventionen entwöhnen

Dank der Staatshilfen, die in Milliardenhöhe flossen, könnte die heimische Wirtschaft bis zu dreiviertel Prozentpunkte wachsen. Laut IV-Generalsekretär Christoph Neumayer muss die massive Subventionierung im Unternehmenssektor wieder zurückgefahren werden. "Eigenverantwortung und mehr Disziplin" seien gefragt, um künftige Krisen zu bewältigen.

Im Gegensatz zur Oesterreichischen Nationalbank sieht er den Aufbau von Eigenkapital durch die vielen Covid-Hilfen nicht kritisch. Im Gegenteil: Unternehmen bräuchten Eigenkapitalpolster für die nächste Krise und um investieren zu können.

Geforderte Maßnahmen

Neumayer spricht mit dem Arbeitskräftemangel auch ein altbekanntes Problem an: Die Interessensvertretung nennt dabei verschiedene Lösungsansätze, die das benötigte Personal sicherstellen sollen. So sollen unter anderem Personen aus der Teilzeit in die Vollzeitbeschäftigung wechseln oder Überstunden weniger versteuert werden und das Arbeiten im Pensionsalter erleichtert werden.

Eine weitere Forderung ist eine konsequente Durchführung der Energie- und Klimatransformation. Laut Helmenstein bräuchte es hier abgesehen von Fachkräften auch enorme Investitionssummen für die erforderliche Infrastruktur. Um das Erneuerbaren-Ausbaugesetz bis zum Jahr 2030 zu verwirklichen, müssten 30 Milliarden Euro investiert werden. Der Netzausbau würde außerdem weitere 20 Milliarden Euro benötigen - insgesamt somit 50 Milliarden Euro.

Außerdem spricht sich die IV für eine Novelle des UVP-Gestzes aus, welche die Umsetzung neuer Energieformen beschleunigen könne. Es seien "sehr dynamische 20er-Jahre des 21. Jahrhunderts zu erwarten", so Helmenstein.