Wien. (mel) Einerseits will Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner österreichische Firmen dabei unterstützen, verstärkt in Hoffnungsmärkte wie China und Indien zu exportieren. Andererseits darf die staatliche Förderbank AWS für Investitionsprojekte in eben diesen Märkten keine Garantien vergeben.

Es gebe eine Einschränkung auf die Schwarzmeerregion und einige südosteuropäische Staaten, so AWS-Geschäftsführer Bernhard Sagmeister. In Kraft ist die aktuelle Garantierichtlinie, für die das Finanzministerium zuständig ist, seit Anfang 2011. Alleine im ersten Halbjahr hätten sich zwei Drittel der Projektansuchen auf Märkte außerhalb der erlaubten Region bezogen, berichtet Sagmeister. Bezüglich der sogenannten Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) habe es Ansuchen für 20 bis 30 großvolumige Projektförderungen gegeben - die meisten seien auf China und Indien ausgerichtet gewesen.

Mehr Investitionen


„Es wäre gut, wenn österreichische Unternehmen von den Bric-Wachstumsmärkten profitieren könnten”, so Sagmeister. Gerade hier dürfe man nicht restriktiv vorgehen, meint auch Ralf Kronberger, Abteilungsleiter für Finanz- und Handelspolitik in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). Angesichts der geplanten schärferen Eigenkapitalregeln für Banken (Basel III), die den Zugang zu Krediten erschweren oder zumindest verteuern dürften, warnt Sagmeister davor, im Zuge der Budgetkonsolidierung auch Förderungen zu verteuern oder einzuschränken. Seit dem dritten Quartal 2010 würde die Investitionstätigkeit wieder anspringen, so der AWS-Geschäftsführer. Mittlerweile würden auch wieder größere Projekte angepackt.

Der Haftungsrahmen des AWS ist nach der Krise wieder auf das ursprüngliche Niveau von 3,8 Milliarden Euro halbiert worden. Am vergebenen Garantievolumen für diverse Finanzierungen hat sich jedoch kaum etwas geändert: Derzeit sind rund 40 Prozent ausgeschöpft, bei verdoppeltem Rahmen waren es 20 Prozent. Allerdings wurde in der Krise eine deutlich größere Zahl an Projekten gefördert, deren Volumina entsprechend kleiner waren. Die Ausfallsrate habe „ziemlich exakt” mit der allgemeinen Insolvenzentwicklung übereingestimmt, so Sagmeister. 2008 und 2009 seien die Risikokosten um 20 Prozent höher gewesen, im Vorjahr habe man wieder das durchschnittliche Langfrist-Niveau erreicht.