Bauern sollten sich spezialisieren, rät Landwirtschafts- und Umweltminister Nikolaus Berlakovich. - © Strasser Robert
Bauern sollten sich spezialisieren, rät Landwirtschafts- und Umweltminister Nikolaus Berlakovich. - © Strasser Robert

"Wiener Zeitung":Das EU-Budget soll um fünf Prozent erweitert werden, der Agrar-Bereich aber weniger werden. Wie beurteilen Sie das?

Nikolaus Berlakovich: Für mich ist inakzeptabel, dass alle Sektoren mehr erhalten und der Agrarsektor eine Kürzung erfährt.

Jetzt fordert aber Finanzministerin Maria Fekter, dass die EU sparen muss. Ist das kein Widerspruch?

Nein. So wie wir in Österreich sparen müssen, muss es die EU auch.

Sollte sich Fekter durchsetzen: Besteht nicht die Gefahr, dass es noch weniger Geld für die Bauern gibt?

Nein, wir sind auf einer Linie, und beim Budgetvorschlag sind ohnedies noch viele Fragen offen. Zum Beispiel setzt die EU auf Eigenmittel, wie die Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Wenn diese nicht kommt, muss man das Budget ohnedies neu aufstellen. Wir als ÖVP haben dabei eine Linie und sagen: Vorsicht vor mehr Zahlungen für die Nettozahler, aber ein sensibler Bereich wie die Landwirtschaft darf nicht unter die Räder kommen.

Müssen sich die Bauern auf Kürzungen einstellen?

Die Reform der Agrarpolitik ist wie ein Hürdenlauf und wir haben schon einige Hürden genommen. Die nächste ist die Sicherung des Budgets beziehungsweise, wie es unter den Mitgliedsstaaten verteilt wird. Da kann es schon zu Kürzungen kommen.

Im Raum stehen aktuell zehn Prozent.

Die derzeitige Kürzung ist in etwa sechs bis zehn Prozent und das bekämpfe ich. Ich will nicht, dass die Bauern verlieren. Der österreichische Weg der ökologischen Landwirtschaft wird von Barroso abwärts gelobt, und da kann es nicht sein, dass dieser Weg behindert wird.

Sie betonen stets, dass Sie um jeden Bauern kämpfen. Das Bauernsterben geht aber weiter - auch mit den Förderungen. Wäre es da nicht gescheiter, die noch bestehenden Betriebe wettbewerbsfähig zu machen, anstatt sie weiter von den Förderungen abhängig zu machen?

Ich sage ehrlicherweise: Ich kann keinem Bauern garantieren, dass er zukünftig wirtschaften kann. Ich kämpfe für die Bauern insgesamt und auch für jeden Euro. Die betriebswirtschaftliche Entscheidung trifft aber der Bauer selbst. Ich maße mir nicht an, einem kleinen Bauern zu sagen, du hast keine Chance. Wenn der aber sagt, er macht eine Spezialproduktion, sei es Direktvermarktung oder Buschenschank, dann können solche Betriebe auch leben.