Wien.

Die Telekom Austria-Vorstände des Jahres 2004 (v.l.n.r.) : Stefano Colombo, Rudolf Fischer und Heinz Sundt. - © APAweb / Robert Jäger
Die Telekom Austria-Vorstände des Jahres 2004 (v.l.n.r.) : Stefano Colombo, Rudolf Fischer und Heinz Sundt. - © APAweb / Robert Jäger
Ein Mitarbeiter, der den Aktienkurs seines Unternehmens manipuliert. Zwei Konzernlenker, die an den Planungen dieses Unterfangens beteiligt gewesen sein sollen und davon kräftig profitieren. Mehrere Vorstände, deren Rolle noch ungewiss ist. Und ein Lobbyist namens Peter Hochegger. Das alles zusammen ergibt einen explosiven Mix, der sich zwar schon 2004 ereignet hat - nun aber drauf und dran ist, die Telekom Austria (TA) einzuholen.

"Die Telekom Austria Group informiert darüber, dass neue Indizien über Unregelmäßigkeiten bei der Ausübung des IPO Aktienoptionsprogrammes im Jahre 2004 vorliegen": Hinter diesen sachlichen Zeilen einer TA-Aussendung verbirgt sich ein Coup, der das Unternehmen - und damit seine Anleger - rund neun Millionen Euro gekostet haben soll. Konkret habe ein Mitarbeiter zugegeben, in eine Malversation involviert gewesen zu sein, die den Schlusskurs der TA-Aktie am Tag so beeinflusste, dass die Ausschüttung von 8,7 Millionen Euro an Boni an rund 100 Manager ausgelöst wurde.

Ein involvierter Investmentbanker, der damals Aktien vorgeblich im eigenen Namen gekauft hatte, soll laut Recherchen des Nachrichtenmagazins "NEWS" über Umwege und damit indirekt 500.000 Euro von der Telekom erhalten haben.

Schwere Vorwürfe gegen Sundt und Colombo
Auch der jetzige Telekom-Boss und damalige Mobilkom-Marketingleiter Hannes Ametsreiter erhielt nach Eigenangaben damals einen Boni von 92.000 Euro netto. Von möglichen Kursmanipulationen habe er aber nicht das geringste gewusst.

Unter Berufung auf die Einvernahme des Ex-Festnetz-Vorstandes Rudolf Fischer durch den Staatsanwalt berichtete "NEWS", dass zumindest der ehemalige Generaldirektor Heinz Sundt und der frühere Finanzvorstand Stefano Colombo in die Planungen für dieses Vorhaben eingebunden gewesen sein sollen. Ob der Nachfolger von Sundt und damalige Mobilkom-Chef Boris Nemsic bei derartigen Gesprächen anwesend war, konnte sich Fischer nicht mehr erinnern.

Hochegger im Visier
Im Visier der Justiz befanden sich bisher primär die zwei ehemaligen Top-Manager Rudolf Fischer und Gernot Schieszler sowie der langjährige Telekom-Lobbyist Peter Hochegger, dessen Unternehmensgruppe nach Angaben des Magazins "profil" einen Teil der 500.000 Euro erhalten habe.

Beide Telekom-Vorstände sind inzwischen nicht mehr bei der Telekom. Allen beteiligten Managern drohen Anklagen wegen Marktmanipulation und Untreue. Sie haben bisher stets sämtliche Vorwürfe zurück gewiesen.

Die TA bemühte sich indes zu betonen, eine volle Aufklärung der Affäre zu verfolgen. Vor wenigen Tagen wurde ein 400 Seiten starker Bericht an die Staatsanwaltschaft Wien übergeben, in dem die bisherigen hausinternen Erkenntnisse zusammengefasst wurden. Ferner wurde angekündigt, sämtlichen Schaden der eventuell durch die Kursaffäre im Jahr 2004 entstanden ist, von den Verantwortlichen nach einer gerichtlichen Klärung zurückzufordern.

Der Kursskandal kommt für die börsenotierte teilstaatliche Telekom zu einem denkbar schlechten Moment. Erst vor zwei Monaten hatte der Marktführer in einer millionenschweren Werbekampagne den Telekom-Festnetzsektor und die Mobilfunktochter Mobilkom unter dem Dach A1 zusammengeführt. Gleichzeitig hält sich am Markt hartnäckig das Gerücht, dass es zu einer Fusion von T-Mobile und Orange kommen könnte, wodurch die Telekom am Mobilfunksektor nur mehr die Nummer 2 wäre. Der ehemalige Monopolbetrieb gehört noch zu 28 Prozent dem Staat.