• vom 19.08.2011, 15:03 Uhr

Österreich

Update: 19.08.2011, 15:38 Uhr

Hinter den Aufstrichen, Brot & Co. der Öko-Marke "Lebe Gesund" soll eine umstrittene Glaubensgemeinschaft stecken

Bio-Kost von Bibel-Bauern




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Von Claudia Peintner

  • Mit den Einnahmen der Öko-Marke "Lebe Gesund" wird laut Sektenexperten die neureligiöse Bewegung Universelles Leben unterstützt.
  • Die deutschen Bio-Produkte sind im Internet, auf Marktständen und in eigenen Läden erhältlich.

Produkte von Lebe Gesund werden unter anderem auf dem Münchner Viktualienmarkt verkauft. - © www.BilderBox.com

Produkte von Lebe Gesund werden unter anderem auf dem Münchner Viktualienmarkt verkauft. © www.BilderBox.com

Wien/Würzburg. Da sollen Kunden anbeißen: Knusprige Apfelchips und Schoko-Cookies. Das Internet-Angebot des "Lebe Gesund"-Versandes macht einen verlockenden Eindruck: Bunte Aufstriche findet man dort, knackiges Gemüse und Brotlaibe. Alles fleischlose Produkte, hergestellt von Landwirten "im Sinne des Friedfertigen Landbaus", verspricht der Anbieter. "Wir sind mehr als Bio, wir sind reine Natur", ist auf der Homepage nachzulesen. Einige Fragen tauchen jedoch auf, wenn man die Produkte unter die Lupe nimmt: So prangt auf diversen Fertiggerichten etwa ein Engelsmotiv. Auf den Etiketten erfährt der Kunde, dass die Waren von den "Gütern Neu-Jerusalem" stammen.

Laut Informationen der "Wiener Zeitung" entstehen angeblich die Produkte im Umfeld der neureligiösen Bewegung Universelles Leben, die unter intensiver Beobachtung der Sektenbeauftragten der evangelischen und katholischen Kirchen steht. "Über die Bio-Produkte soll angeblich ein Teil der Bewegung finanziert werden", heißt es. "Wir weisen darauf hin, dass hinter den Lebensmitteln Personen stehen, die einer bestimmten Gruppe nahestehen, deren Gebaren sektiererisch ist", sagt Jürgen Lohmayer vom Referat für Weltanschauungs-, Religions- und Sektenfragen der Diözese Würzburg.


Produkte mit religiöser Weltanschauung?
Offiziell stehen der "Lebe Gesund-Versand" und die Produktmarke "Gut zum Leben" in der Inhaberschaft der Firma "Lebe Gesund-Steinmühlenbrot GmbH". Hauptgesellschafter ist die Internationale Gabriele-Stiftung, die sich der Schaffung von Lebensräumen für Natur und Tiere widmet. Die vegetarischen Produkte entstehen seit den 8oer Jahren in Ortschaften rund um Würzburg auf den Gütern Neu-Jerusalem.

Der Hintergrund: "Die Anhänger von Universelles Leben glauben an die Offenbarung, dass das Weltende bevorsteht und gründeten sogenannte Christus-Betriebe, die sich teils auf ökologische Landwirtschaft spezialisiert haben und mit denen die Überlebenden gerettet werden sollen", berichtet ein Experte.

Im Grunde spricht laut Lohmayer nichts dagegen, dass sich religiöse Bewegungen ein wirtschaftliches Standbein schaffen, an dem sie verdienen können. Die Lebensmittel seien sicher einwandfrei. Was Kritikern jedoch negativ aufstoßt: Bei "Lebe Gesund" oder "Gesund zum Leben" taucht nicht auf, dass dahinter eine religiöse Weltanschauung steckt. "In Verbindung mit der abwertenden Haltung zum Fleischverzehr und dem Tierschutz, den man sich auf die religiösen Fahnen aufschreibt, ist das ein potentielles Einfallstor für Menschen, die sich religiös beeinflussen lassen", sagt Lohmayer.

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Dokument erstellt am 2011-08-19 15:08:08
Letzte Änderung am 2011-08-19 15:38:59


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