Alpbach. Der weltweite Wirtschaftsabschwung wird im Herbst, vor allem aber 2012, auch Österreich erfassen. Laut inoffiziellen Informationen, die der "Wiener Zeitung" vorliegen, wird die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) die Prognose für kommendes Jahr von 2,3 Prozent deutlich auf 1,8 Prozent reduzieren. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihre Erwartungen deutlich herunterschrauben, der Wert soll unter 1,5 Prozent liegen.

Offizielle Bestätigungen dafür gibt es nicht. OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny bestätigte beim Europäischen Forum in Alpbach bloß, dass sich das Wachstum verringern wird. Österreich liegt damit zwar immer noch über dem EU-Durchschnitt, aber im Vergleich zu den 3 Prozent Wachstum heuer ist dies doch ein scharfer Rückgang. Damit wird es 2012 auch mit der Herrlichkeit am Arbeitsmarkt vorbei sein, die Arbeitslosigkeit dürfte steigen.

Hauptverantwortlich für den Rückgang ist der ins Stottern geratende Exportmotor. Die Deutsche Bank rechnet für Deutschland, den mit Abstand wichtigsten Handelspartner Österreichs, kommendes Jahr nur noch mit 0,8 Prozent Wachstum. Dies bestätigte der Chefvolkswirt der Bank, Thomas Mayer, in Alpbach.

Auch das Wachstum der USA wird bereits heuer nicht die erwarteten 2,6 Prozent erreichen, sondern lediglich 1,7 Prozent. Die schwachen Arbeitsmarktdaten im August haben am Freitag die Aktienbörsen erneut auf Talfahrt geschickt. Chinas Zentralbank warnt vor einem globalen Wirtschaftseinbruch. Das erwartete chinesische Wachstum von 9 Prozent ist mittlerweile äußerst unsicher. Die gestiegenen Rohstoffpreise - und damit gehörig verteuerte Importe - führen im kommunistischen Land zu kurzfristigen Fabriksschließungen und damit zu steigender Arbeitslosigkeit.

Geringeres Wachstum - sinkende Inflation


Der "positive" Effekt dieser Wachstumsverlangsamung ist die ebenfalls sinkende Teuerung. "Sie wird im kommenden Jahr nahe des von uns gesteckten Ziels sein", so Nowotny. Das sind 2 Prozent Inflation. Derzeit liegt sie in Österreich bei 3,5 Prozent. Preistreiber ist sind neben der Energie auch Dienstleistungen wie Hotels, Restaurants und Flugreisen. Diese Teuerung kletterte im Jahresvergleich von 1,5 auf 3,7 Prozent.

Während also hier die Preise deutlich steigen, lässt die Nettolohnsteigerung auf sich warten. Wirtschaftsforscher wie Wifo-Chef Karl Aiginger sprechen sich daher für vermögensbezogene Steuern aus, um dafür den Faktor Arbeit steuerlich zu entlasten. Finanzministerin Maria Fekter lehnte aber in Alpbach erneut jede Form von Steuererhöhungen ab. Priorität habe der Schuldenabbau. Fekter weiß sich damit eines Sinnes mit der OeNB. Nowotny: "Wir wollen keine prozyklischen Maßnahmen, Schwerpunkt muss die Budgetkonsolidierung sein."