Wien. "Was verstehen Sie als Frau schon von Technik?" Oder: "Werden Sie mal so alt wie ich, dann können Sie mitreden." Im ersten Moment ist man sprachlos, dann wütend oder gekränkt: Verbale Angriffe tun weh. Doch gerade im Berufsleben ist es wichtig, bei schwierigen Gesprächen die Zügel in der Hand zu behalten.

Reagieren, aber nicht gleich "schießen" - so lautet der Tipp von Verhandlungstrainerin Ingeborg Rauchberger. "Schlagfertige Antworten kann man zwar in Seminaren trainieren, in vielen Fällen sind sie aber nicht angebracht. Die Situation könnte sich dadurch noch verschärfen", sagt Rauchberger im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Sie arbeitet mit der 3-R-Regel, die lautet: Reagieren, Richtung ändern, Reden in Richtung Ziel. Konkret: Dem angriffigen Gesprächspartner den Wind aus den Segeln nehmen und versuchen, den roten Faden möglichst schnell wieder aufnehmen.

Gelassen und kompetent zu wirken, könne man lernen, sagt Rauchberger: "Das ist wie Fahrrad fahren. Mit der Zeit traut man sich immer mehr zu." Aufstehen und beleidigt den Raum verlassen empfiehlt die Managementtrainerin und langjährige Führungskraft Rauchberger jedenfalls nicht: "Sie dürfen nicht vergessen, dass sie das Unternehmen nach außen repräsentieren."

Wie man ödes Blabla abstellt

Dasselbe gilt, wenn ein Dampfplauderer das Gespräch an sich reißt und der Termin in ödes Blabla ohne Ergebnis abzugleiten droht. Rauchbergers Trick, um elegant wieder zum Thema zurückzukommen: "Bleiben Sie gelassen. Nützen Sie eine Atempause des Gegenübers und fassen Sie das Gesagte mit einer positiven Einstiegsfloskel kurz zusammen - aber schon mit Nachdruck."

Wer von seinem Gesprächspartner angebrüllt wird, sollte dies nicht überbewerten. "Schreien ist ein Zeichen von Schwäche. Die, die stark sind, brauchen nicht schreien", so Rauchberger. Wie man mit Emotionen - den eigenen und fremden - am besten umgeht, lehrt die Juristin und oberösterreichische "Managerin des Jahres" in Workshops der Akademie für Recht, Steuern & Wirtschaft (ARS). Auch "Smalltalk mit Hirn" steht dabei auf dem Programm. "Ich finde, Smalltalk ist kein Selbstzweck. Gescheiter ist es, ihn zu nutzen, um Beziehungen zu knüpfen." Doch nicht jedem liegt es, bei einer Veranstaltung mit vielen fremden Menschen jemanden anzusprechen. Rauchbergers Tipp: "Leute, die allein herumstehen, sind oft heilfroh, wenn sie jemand wahrnimmt." Doch auch hier gibt es "No-Gos". Nach dem Vorstellen sollte man die neue Bekanntschaft nicht gleich mit allzu intimen Fragen überhäufen. Sofort mit der eigenen Meinung auftrumpfen komme auch nicht so gut.