Wien.

Einmal mehr steht Kovats - der A-Tec-Chef will bis Ende des Jahres gehen - im Kreuzfeuer der Kritik. - © APA
Einmal mehr steht Kovats - der A-Tec-Chef will bis Ende des Jahres gehen - im Kreuzfeuer der Kritik. - © APA
In drei Wochen soll der Ausverkauf der A-Tec Industries AG in einer Hauptversammlung abgesegnet werden. Dazu muss der Mischkonzern um Mirko Kovats, der mittelbar rund 66 Prozent hält, den Aktionären die Kaufverträge mit den drei asiatischen Subkäufern Wolong, Solstice und Palmsquare, zur Annahme präsentieren. Wie berichtet, wird die Selbst-Filetierung der A-Tec unter der eigens dafür gegründeten Wiener Firma Contor Industries GmbH von A-Tec-Berater Thomas Adrian Schätti abgewickelt. Diese Konstruktion soll auch steuerliche Vorteile haben.

201 Millionen Euro soll der Deal einbringen, wollen A-Tec-Insider wissen, 30 Millionen sind schon im Verteilungstopf. Den Gläubigern sollen am 30. September 47 Prozent ihrer Forderungen zufließen. Ursprünglich ging man von 204 bis 222 Millionen Euro Erfordernis aus. Damals wurde aber auch der Wert aller Aktiva mit bis zu 290 Millionen Euro beziffert.

Der Deal über die "Contor-Konstruktion" ist umstritten. "Das war die sehr egoistische Entscheidung des Herrn Kovats, aber gegen einen Eigentümer kann man außerhalb eines Insolvenzverfahrens nichts erzwingen", sagt Hans-Georg Kantner, Insolvenzexperte des KSV1870. "Es ist Sache des Schuldners, das Geld aufzustellen. Doch der schale Beigeschmack ist nicht zu leugnen. Denn den Leuten, die sich im Frühjahr 2011 für Teile der A-Tec interessiert haben, hat man damals gesagt, nein, es wird nur an einer Gesamtlösung gearbeitet." Nachsatz: "Was ist das für eine Gesamtlösung, wenn jetzt zwei der drei verbleibenden Divisionen verkauft werden."

Emco bleibt übrig


Wie berichtet, wird der Werkzeugmaschinenbauer Emco derzeit nicht veräußert und bleibt als einziges Asset in der börsennotierten A-Tec, deren Kurs ordentlich nachgab.

Laut Beschluss des Konkursgerichts verzichten die Gläubiger auf alle Forderungen, die die angebotene 47- Prozent-Quote samt Superquote übersteigen. Von dieser Superquote, einer Extraausschüttung, hört man nichts mehr. Laut Gerichtsbeschluss sollen 70 Prozent jener Beträge, die für bedingte Forderungen aus Haftungsverhältnissen sichergestellt, aber nicht ausbezahlt wurden, zusätzlich an die Gläubiger fließen.

"Was ist jetzt mit der Superquote, davon ist keine Rede mehr", sagt Gerhard Weinhofer von der Creditreform. "Hätte A-Tec den Werkzeugmaschinenbauer Emco verkauft, hätten wir eine Superquote für die Gläubiger."

"Wir werden uns nach dem 30. September, wenn die Zahlen auf dem Tisch liegen, anschauen, ob Gewissheit über die Superquote besteht, und was unter Umständen ausgeschüttet werden kann", kündigt KSV1870-Experte Kantner an. Er werde da nicht locker lassen.

Der Deal läuft auch deshalb über die Contor Industries GmbH, weil diese die Finanzierung des Verkaufs verantwortet.

Dem Vernehmen nach will aber der unterlegene tschechisch-slowakische Mitbieter Penta Industries nach Vorliegen der Tagesordnung für die außerordentliche Hauptversammlung am 28. September entscheiden, ob und welche rechtlichen Schritte gegen den Contor-Deal unternommen werden.

Der A-Tec-Berater


Wie berichtet, wurde mit Thomas Adrian Schätti, einem Schweizer mit einer bunten Bankenvergangenheit, ein A-Tec-Berater als Geschäftsführer in die Contor geschickt. Schätti war früher für die Banken Maerki Baumann, Coutts & Co und Swiss Union of Raiffeisenbank tätig. Seit Ende April 2011 ist er Direktor in der Lindeteves-Jacoberg Ltd., eine Tochter der ATB Austria Antriebssysteme, die jetzt an die chinesische Wolong für kolportierte 90 Millionen Euro geht. Seit heuer ist er auch Verwaltungsrat der Schweizer PV Development AG mit Sitz in Baar, nach dem A-Tec-Vorstand Franz Fehringer im Vorjahr dort ausgeschieden ist. PV Development um Stoyan Staykov investiert in bulgarische Sonnenenergieprojekte. Schätti ist aber auch Verwaltungsrat der Schweizer Sofina AG um Roumen Nanov und bei der Striker Beer AG.