Wien. Vor vier Jahren wollte der österreichische Feuerfesthersteller RHI in Brasilien groß zuschlagen und den dortigen Konkurrenten Magnesita kaufen. Die Übernahme scheiterte jedoch am Preis. In Sachen Expansion hat Magnesita das Heft dann selbst in die Hand genommen. 2008 schluckte der an der Börse von São Paulo notierende Konzern den deutschen Rivalen LWB, was ihn in die Top-Liga der Branche katapultierte.

Heute ist Magnesita mit umgerechnet einer Milliarde Euro Jahresumsatz weltweit bereits der drittgrößte Lieferant von Feuerfestprodukten, die vor allem in der Stahlindustrie etwa für die Auskleidung von Hochöfen gebraucht werden. Ungefähr gleichauf an der Weltspitze - mit jeweils 1,5 Milliarden Euro Umsatz - liegen RHI und die zur britschen Cookson Group gehörende Firma Vesuvius.

Bei Magnesita ist der Appetit, weiteres Geschäft zuzukaufen und so größer zu werden, vorerst noch nicht gestillt. Der globale Feuerfestmarkt gilt seit jeher als stark fragmentiert, da sich dort eine Vielzahl von Anbietern tummelt. Magnesita-Chef Ronaldo Iabrudi hält eine Konsolidierung deshalb für unausweichlich. "Dabei wollen wir eine gestaltende Rolle spielen", kündigte er am Mittwoch bei der offiziellen Eröffnung eines Vertriebsbüros in Wien an. Zukäufe kämen freilich nur im Fall von Synergien in Frage.

Bei Rohstoffen fast autark

Welche Kandidaten auf der Wunschliste der Brasilianer sind und ob allenfalls auch RHI interessant wäre, wollte Iabrudi nicht sagen: "Kein Kommentar." Hauptaktionär bei RHI ist mit fast 30 Prozent der Wiener Milliardär Martin Schlaff. Ohne dessen Okay würde im Fall eines Übernahmeversuchs jedoch nicht viel gehen.

Über den neuen Standort in Wien will Magnesita in Europa - und da vor allem im Osten - stärker Fuß fassen. "Wir sind hier noch zu wenig präsent und wollen nicht nur in den Emerging Markets wachsen", betonte Iabrudi. Eine Kampfansage an den RHI-Konzern, der im Gegenzug demnächst den Bau seiner ersten Fabrik in Brasilien startet.

Rund um den Globus hat Magnesita derzeit 28 Industriestandorte und 8000 Mitarbeiter. Der Netto-Gewinn lag 2010 bei rund 34 Millionen Euro. In Österreich wird vor allem Böhler-Uddeholm beliefert. Größtes Asset der Brasilianer sind deren riesige Rohstoffquellen (Magnesit, Graphit und Dolomit), was ihnen eine hohe Eigenversorgung ermöglicht.