Linz. Wenn ein Kühlschrank im Altstoffsammelzentrum landet, das alte Auto auf den Schrottplatz wandert, enden deren Leben lange noch nicht. Für Recyclingunternehmen und Schrotthändler beginnt die Arbeit an diesem Punkt erst richtig.

Industrierohstoffe aus den Wegwerfprodukten der Konsumgesellschaft zu gewinnen, wird bereits seit Jahrzehnten betrieben. Seit wenigen Jahren hat der Vorgang mit dem Begriff Urban Mining auch einen Namen erhalten. Für Probleme wie Rohstoffknappheit, Klimawandel und Schwankungen in der Weltwirtschaft will man mit der Rohstoffgewinnung in den städtischen Räumen Lösungen bieten, erklärt Oliver Scholz, Vorstand der deutschen Scholz AG. "Es geht darum, Abfälle aus der Wohlstands- und Konsumgesellschaft in die Industrie zurückzubringen." Bei alten Autos etwa habe man eine Wiederverwertungsquote von 95 Prozent erreicht.

Das Stahl- und Metallschrottrecyclingunternehmen hat 2010 weltweit 12,2 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart, davon 1,3 Tonnen CO2 in Österreich. Die Scholz AG ist als Familienunternehmen im deutschen Essingen beheimatet und setzte mit 7200 Mitarbeitern an 500 Standorten in 20 Ländern im vergangenen Jahr 4,5 Milliarden Euro um.

Die Recyclingquote werde steigen, erklärt Oliver Scholz: "Handys, Autos und Fernseher werden von den Konsumenten ständig ausgetauscht, dazu kommt der Rohstoffhunger der wachsenden Nationen." Von den Verbrauchern würde sich Scholz mehr Disziplin wünschen, in Deutschland gehen 60 Prozent der recyclebaren Geräte in den Hausmüll.

"Schrott ist für uns keinAbfall"

"In der Stadt liegen die Rohstoffe, sie brauchen nur gesammelt zu werden", sagt auch Manfred Födinger, Geschäftsführer von Scholz Austria. Die österreichische Niederlassung wurde 2006 gemeinsam mit der Voestalpine Stahl GmbH und anderen Stahlunternehmen als Joint Venture gegründet, an dem Scholz 60 Prozent hält.

In der Stahlindustrie ist Metallschrott ein wesentlicher Faktor für die Produktion: Weltweit werden für die Rohstahlerzeugung 34 Prozent Recyclingmaterialien verwendet, in Deutschland liegt der Anteil bei 47 Prozent, in den USA sogar noch höher. In der Voestalpine werden 23 Prozent der Produktion beigemengt. "Schrott ist für uns kein Abfall, sondern ein echter Wertstoff", erklärt Voestalpine-Vorstand Wolfgang Lakata.

Derzeit baut die Scholz AG einen neuen Schrottplatz im Linzer Hafen, in den 10 Millionen Euro investiert werden. Das 20.000 Quadratmeter große Areal soll 2012 fertiggestellt werden.

Ein klassisches Beispiel für Urban Mining gibt Geschäftsführer Födinger mit dem Wiener Südbahnhof: Bei dessen Abriss konnte Scholz 12.000 Tonnen Schrott für die Wiederverwertung gewinnen.