Wien. (kle) Im September haben Österreichs Industriebetriebe erstmals seit Anfang 2010 wieder Jobs abgebaut. Der Grund: Die Aufträge - vor allem aus dem Ausland - waren deutlich rückläufig, und das hat die Produktionsleistung nun schon den dritten Monat in Folge gedrosselt. "Österreichs Industrie befindet sich auf Talfahrt", hält Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl fest. Gerade in den vergangenen Wochen habe sich die Industriekonjunktur im Inland stark abgekühlt.

Was besonders beunruhigend ist: Nach der Stagnation im August weist eine aktuelle Bank-Austria-Umfrage unter hiesigen Industriefirmen erstmals seit fast zwei Jahren auf ein Schrumpfen der österreichischen Industrie hin. Im September fiel der Einkaufsmanager-Index auf 48,7 Punkte und damit unter die neutrale Wachstumsgrenze von 50 Punkten. "Der Abwärtstrend im Produktionssektor vollzieht sich mittlerweile auf breiter Front", sagt Stefan Bruckbauer, Chefvolkswirt der Wiener Großbank.

Angesichts der deutlichen Abschwächung der Industriedynamik haben die Bank-Austria-Ökonomen ihre Wachstumsprognose für das Gesamtjahr von acht auf sieben Prozent gesenkt. Bis weit über den Jahreswechsel hinaus würden der heimischen Industrie neue Wachstumsimpulse fehlen. Eine robuster werdende globale Nachfrage dürfte die Konjunktur erst im späteren Jahresverlauf 2012 wieder in die Gänge bringen.

Tempo nur halb so hoch

Bruckbauers Fazit für das kommende Jahr: "Es ist eine spürbar geringere Dynamik der heimischen Industrie zu erwarten. Das Wachstumstempo wird in etwa nur halb so hoch ausfallen wie 2011."

Das alles andere als rosige Konjunkturbild dürfte heute, Freitag, von Wifo und IHS in deren Herbstprognose bestätigt werden. Erwartet wird, dass beide Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumserwartungen zumindest für 2012 zurückgeschraubt haben. Das Beratungsunternehmen Ernst & Young prognostiziert Österreich für 2011 dank eines starken ersten Halbjahres noch ein BIP-Wachstum von 3,4 Prozent. 2012 werde sich dieses aber auf 1,7 Prozent halbieren.

In der Eurozone hat sich das Wirtschaftsklima zuletzt deutlicher als erwartet abgekühlt. Im September fiel das Barometer von 98,4 auf 95,0 Punkte, teilte die EU-Kommission mit. Die Stimmung trübte sich in allen Sektoren ein - besonders in der Industrie und bei Dienstleistern. Die Kommission geht in ihrer Herbstprognose davon aus, dass die Eurozone im Sog der Schuldenkrise und der Börseturbulenzen auf Stagnation zusteuert. Ein Rückfall in die Rezession wird jedoch nicht befürchtet.

Vorerst noch keine Folgen hat die Konjunkturflaute auf den Arbeitsmarkt in Deutschland. Dort rutschte die Zahl der Arbeitslosen im September erstmals seit fast 20 Jahren unter die Marke von 2,8 Millionen.