Wien. (wak) Das nächste große Ding auf dem Energiemarkt ist künstliches Erdgas - SNG (Synthetic Natural Gas). Das war das bestimmende Thema der jüngsten Branchenfachtagung. Mit künstlichem Gas, das aus der Methanisierung von Strom gewonnen wird, könne man endlich das Hauptproblem des Stroms aus erneuerbaren Energien lösen: nämlich dass dieser Strom in der Produktion einer großen Schwankungsbreite unterliegt und kaum gespeichert werden kann. "Deswegen werden in Norddeutschland die Windräder oft vom Netz genommen, da in starken Phasen eine Überproduktion vorliegt", erklärt Johann Grünberger, Vorstand der OÖ Ferngas und Vize der Österreichischen Vereinigung für das Gas und Wasserfach (ÖVGW). Mit dem Umstieg auf regeneratives Bio-Methan könnte zudem die bestehende Infrastruktur weiter genützt werden. "Erdgas beziehungsweise dessen Infrastruktur ist ein natürlicher Partner für die regenerativen Energieformen."

Wenn man Wind- und Sonnenenergie in Gas umwandelt, wird die Energie dadurch nicht nur speicherbar, sondern leicht transportierbar. Nach Berechnungen des Verbands kann eine einzige 900 Millimeter dicke Gas-Pipeline dieselbe Energie transportieren wie fünf nebeneinander stehende 380 KV-Leitungen, die zusammen eine Schneise von 250 Metern erfordern würden. Nur mit Gas könnten große Energiemengen über lange Strecken transportiert werden, macht die ÖVGW geltend. Transportverluste gebe es - anders als beim Strom - praktisch keine. Für die Umwandlung von regenerativen Energien in Gas muss man aber einen Verlust von 65 Prozent des Wirkungsgrads in Kauf nehmen, wenn das Gas am Bestimmungsort wieder verstromt wird.

Erneuerbare an den Mann

"Künstliches Erdgas hat keinen Bedarf an Subventionen", meint Grünberger. Da habe es genug Vorleistung für den Bau von Ökostromanlagen gegeben. "Künstliches Erdgas ist dafür die einzige Möglichkeit, um den Hype um Erneuerbare an den Mann zu bringen." Der Gas- und Wasserfach-Verein (die Techniker unter den heimischen Interessensorganisationen) machen klar, dass für sie die Zukunft bei Wind und Sonne liegt. "Ersetzt man Gas durch Holz, ist der österreichische Waldbestand binnen 15 Jahren komplett abgeholzt", errechnet Michael Mock, ÖVGW-Geschäftsführer.

In Österreich ist man guter Dinge, dass dank der Ökostromnovelle 2011 die Erneuerbaren rasant ausgebaut werden. Bisher existieren etwa nur 1000 Megawatt Windkraft, das Potenzial wird - dank neuer, leistungsstärkerer Anlagen - auf zusätzliche 2500 Megawatt geschätzt. "Mit dem neuen Gesetz sollten die nächsten fünf Jahre oder mehr entspannt und planbar sein", meint Andreas Dangl, Vorstand der WEB Windenergie, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Dangl spricht aus Erfahrung. Der Vorstand von Österreichs größter Publikumsgesellschaft (aktuell 3300 Personen) im Bereich der Erneuerbaren projektiert und betreibt Anlagen für Grüne Energie (vor allem Wind) in Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Tschechien und Kanada.

Der Pferdefuß in Österreich für Erneuerbare wäre sicherlich die unsichere Gesetzeslage gewesen, die immer wieder zum Stopp beim Ausbau geführt habe.

Strom bekommt Mascherl

Anders als in Deutschland, wo es laut Dangl bei den Konsumenten einen "starken Trend" zum Wechseln von Stromanbietern gebe (vor allem, um AKW-Strom und kalorischer Energie aus Kohlekraftwerken zu entkommen), sei der österreichische Markt relativ verhalten. Das liege daran, dass der Strom ohnedies hauptsächlich aus Wasserkraft komme, die paar Prozent von zugekauftem Strom aus dem Ausland seien laut Dangl bisher nicht genug Anreiz, zum bisher einzigen öko-zertifizierten Anbieter (die Ökostrom AG, ein WEB Abnehmer, an der die WEB auch Anteile hält) zu wechseln.

Das könnte sich aber ändern: Mit 2012 soll auch in Österreich per Verordnung Strom gekennzeichnet werden. Das könnte auch die heimischen Konsumenten beeinflussen. Um Kapazitäten im Volumen von 350 Megawatt auszubauen, begibt die WEB Windkraft nun eine neue Anleihe.