Die Problembank ÖVAG muss ihre Flügel kräftig stutzen, um wieder Höhe zu gewinnen. - © APA/HANS KLAUS TECHT
Die Problembank ÖVAG muss ihre Flügel kräftig stutzen, um wieder Höhe zu gewinnen. - © APA/HANS KLAUS TECHT

Wien. Bei der schwer angeschlagenen ÖVAG, dem Spitzeninstitut der 62 Volksbanken, bleibt in Zukunft kein Stein auf dem anderen. Jetzt gibt es sogar ernsthafte Pläne, die viertgrößte Bank des Landes aufzuspalten. Wie die "Wiener Zeitung" aus gut informierten Finanzkreisen erfahren hat, soll die vom Staat mit einer Milliarde Euro gestützte ÖVAG im Zuge ihrer Restrukturierung in eine "gute" und eine "schlechte" Bank aufgeteilt werden.

Seit der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise steckt das Institut mit dem blauen Flügel-Logo in der Verlustzone fest. Für das heurige Jahr wird wegen teurer Abschreibungen auf die Rumänien-Tochter und die Investkredit ein Minus von bis zu 900 Millionen Euro erwartet. Bei den ÖVAG-Managern ist der Druck, das - noch dazu unter Kapitalnot leidende - Unternehmen möglichst rasch neu aufzustellen, jedenfalls hoch.

Finanzministerium und Bankenaufsicht "schauen ihnen permanent auf die Finger", ist zu hören. "Nach wie vor hat der Staat kein Interesse daran, die ÖVAG (die für seine Kapitalhilfe bisher keine Zinsen gezahlt hat, Anm.) zu verstaatlichen."

Im Fall einer Aufspaltung wäre der gesunde Teil der Bank Platzhalter für das Kerngeschäft. Dabei würde die ÖVAG auf ein "Pimperlinstitut", wie es ein Insider formuliert, radikal reduziert werden. Statt bis dato 44 Milliarden Euro Bilanzsumme hätte sie dann nur noch 10 Milliarden (in der Wiener Finanzbranche wird dieser Wert als Zielgröße der Volksbanker genannt).

Eine "ÖVAG light" wäre im Wesentlichen darauf beschränkt, im Volksbankensektor die Liquidität zu steuern sowie Marketing und Produktentwicklung zu übernehmen. Der Vorteil dabei: Nimmt eine Bank ihre Risiken derart drastisch aus der Bilanz, muss sie ihr Geschäft mit deutlich weniger Eigenkapital unterlegen.

Damit wäre die ÖVAG zumindest in diesem Punkt "langfristig entlastet", heißt es bei Branchenkennern. Schon jetzt werden Kundenkreditlinien nicht mehr verlängert, für die sonst mehr Kapital vorgehalten werden müsste.

Verkauf von Familiensilber


Sich künftig nur noch auf das Kerngeschäft zu konzentrieren bedeutet für die Bank aber auch, eine Reihe von Beteiligungen und Sparten abzustoßen. Dazu gehören nicht nur die Anteile an der Victoria-Versicherung und der Raiffeisen Zentralbank, sondern ebenso das Leasinggeschäft und der relativ große Immobilienbereich. Hier gibt es schon seit längerem Verkaufspläne. Bei der Volksbank International (exklusive Rumänien) hat die ÖVAG wegen der Osteuropa-Risiken bereits die Reißleine gezogen, sie wird - und das ist inzwischen paktiert - für 585 Millionen Euro an die russische Sberbank veräußert.

Weitere Teile des Geschäfts sollen bei der geplanten Aufspaltung in eine "Bad Bank" als Abwicklungsbank hineinverfrachtet werden - was da genau reinkommen soll, ist allerdings noch offen. Im Regelfall lagert man in eine "Bad Bank" problembehaftete Wertpapiere aus. Während der Finanzkrise haben das mehrere internationale Geldhäuser, die Schieflage hatten, getan. Bei der ÖVAG könnte die Abwicklung auch durch einen Verkauf dieses Teils der Bank erfolgen. "Es gibt Spezialisten, die aus einer Bad Bank viel rausholen können", heißt es in der Branche.

Neuer Volksbanken-Verbund


Neben den jetzigen Aufspaltungsplänen feilen die Volksbanker wie berichtet auch an einem Umbau des Haftungsverbunds nach Vorbild der niederländischen Rabobank. Geplant ist, dass sich die ÖVAG als Flaggschiff des Sektors enger als bisher an ihre Hauptaktionäre, die regionalen Volksbanken, anbindet. Das erklärte Ziel dabei: Die ÖVAG soll sich künftig das Eigenkapital der Volksbanken anrechnen können. Die Grundzüge für diese Reform sollen bis Jahresende stehen.

Nicht bestätigt hat die ÖVAG am Mittwoch, dass der Restrukturierung binnen zwei Jahren 500 Mitarbeiter - jeder zweite - zum Opfer fallen (wie der "Kurier" berichtet): "Es wird einen Personalabbau geben, aber die kolportierten Zahlen sind überzogen."