Wien. Mit dem Rücktritt des obersten Eisenbahnergewerkschafters Wilhelm Haberzettl brodelt die Gerüchteküche um seine Nachfolge: Zur Disposition stehen das Mandat als ÖBB-Konzernbetriebsratschef, das offiziell bis 22. November vergeben wird. Bis Ende des Jahres soll weiters ein Nachfolger für Haberzettl als Gewerkschaftsvorsitzender bei den Eisenbahnen und als stellvertretender Vida-Vorsitzender gefunden werden. Der 56-jährige Niederösterreicher führte "persönliche Gründe" als Anlass für seinen Rücktritt an. Es sei auch an der Zeit, "jüngeren Talenten Platz zu machen".

Tatsächlich ist der Mann, der ÖBB-intern als wahrscheinlichster Nachfolger gehandelt wird, ebenfalls bereits 55 Jahre alt. Gottfried Winkler, seit 1985 Zentralbetriebsratsvorsitzender der ÖBB Infrastruktur Betrieb AG, werden Gerüchten zufolge die größten Chancen als neuer ÖBB-Konzernbetriebsratsvorsitzender bzw. auch Interimsvorsitzender eingeräumt. Der Oberösterreicher ist seit 2006 Haberzettls Stellvertreter und engster Vertrauter. "Als ÖBB-Konzernbetriebsratschef braucht man eine gewisse Hausmacht", heißt es aus Konzernkreisen. Winkler bringe diese mit, weiters würde die "Erfahrung und Kontinuität" für ihn sprechen.

Zentralbetriebsräte zur Wahl

Ebenfalls wahlberechtigt sind die mehr als zehn anderen Zentralbetriebsräte des Konzerns: Auf der Kandidatenliste kursieren Roman Hebenstreit (Betriebsratschef der ÖBB-Traktion), Werner Harrer (Betriebsrat der ÖBB-Güterverkehrstochter Rail Cargo Austria) oder Robert Wurm (ÖBB-Postbus-Zentralbetriebsratsvorsitzender).

Die Entscheidung über die Haberzettl-Nachfolge soll am 17. November bei einer außerordentlichen Betriebsratssitzung fallen.

Am Montag hieß es aus ÖBB-Kreisen: Haberzettl hätte seine Funktionen auch niedergelegt, weil er sich gegen das von ÖBB-Chef Christian Kern angekündigte einschneidende ÖBB-Dienstrecht nicht mehr zur Wehr setzen wollte. Intern hätte darüber hinaus der Rückhalt vieler Betriebsräte gebröckelt. Die Gründe: Der ÖBB-Gehaltsabschluss von 2,4 Prozent im Juni sei zu moderat ausgefallen. Viele kreiden ihm weiters die Aufhebung der steuerlichen Fahrbegünstigung für ÖBB-Mitarbeiter, -Pensionisten und -Angehörige an.