Wien. In der Pensionskasse der Wirtschaftskammer (WKÖ) klafft ein 100-Mio.-Euro-Loch. Bei einer erweiterten WKÖ-Präsidiumssitzung soll heute ein Sanierungspaket beschlossen werden. "Für die verfehlte Ideologie und Unfähigkeit des ÖVP-Wirtschaftsbundes dürfen nun die Wirtschaftskammer-Mitglieder mehr als 100 Millionen Euro auf den Tisch legen", wettert der Bundessprecher der Grünen Wirtschaft, Volker Plass.

  Die Finanzkrise habe zwar die Lage verschärft, die wirklichen Ursachen seien jedoch hausgemacht, meint Plass: "Stümperhafte versicherungsmathematische Berechnungsfehler, vollkommen unrealistische Rendite-Erwartungen sowie hochriskante und absolut unverantwortliche Spekulationsgeschäfte - Stichwort R-Quadrat-Pleite -, das sind die Zutaten für dieses Fiasko!"

Renditeziele verfehlt
   Die Wertentwicklung  der Pensionskasse liege weit hinter den Erwartungen zurück, so die "Presse" am Mittwoch. Aus der angenommenen Rendite in Höhe von 7,5 Prozent pro Jahr sei nichts geworden, die durchschnittliche Wertsteigerung habe gerade einmal 0,64 Prozent pro Jahr erreicht. "Bliebe es bei dieser Performance, läge die Entwicklung des übertragenen Kapitals in zwei Jahrzehnten um mehr als 80 Prozent hinter der Sollentwicklung zurück", zitiert die "Presse" eine internen Kammer-Vorlage. Damit sei auch klar, worauf sich die etwas mehr als 5.200 Anspruchsberechtigten schlimmstenfalls einzustellen hätten.

  Kammer-Pensionisten wehren sich und drohen mit einer Klage und der Betriebsrat mit der Rückabwicklung des Pensionskassen-Systems - falls nicht frisches Geld kommt, um Kürzungen der Betriebspensionen in Grenzen zu halten, so die "Presse". Eine derartige Rückabwicklung wäre für die WKÖ und die neun Landeskammern alles andere als angenehm. Der Ausgang des Verfahrens wäre ungewiss.

Grüne Wirtschaft fordert Offenlegung aller Budgetdetails
  Plass hält die rasche Sanierung der Pensionskasse zwar für absolut notwendig, dem nächsten Budget der Wirtschaftskammer werde die Grüne Wirtschaft trotzdem nicht zustimmen. Denn der ÖVP-Wirtschaftsbund sei nach wie vor nicht bereit, alle Zahlen offenzulegen. Damit sei eine effektive Kontrolle weiterhin schwer bis unmöglich.

   Weiters fordert die Grüne Wirtschaft einen grundlegenden Politikwechsel der Kammer bezüglich privater Pensionsvorsorge. Man habe jetzt wirklich genug von derartigen Abenteuern an den Kapitalmärkten, so Plass. Eine Änderung stehe per Jahreswechsel schon fest: Künftige Mitarbeiter der WKÖ werden keine Betriebspension mehr erhalten.

  Außerdem sei WKÖ-Präsident Christoph Leitl jetzt aufgerufen, so rasch wie möglich ein 100-Millionen-Sparpaket innerhalb der Kammerorganisation vorzulegen und die Kosten für die Sanierung der Pensionskasse im Laufe der nächsten Jahre an die Pflichtmitglieder der Wirtschaftskammer wieder zurückzubezahlen, fordert Plass.