Wien.

Die "Schatzsucher" werden Ende 2012 in Poysdorf und Herrnbaumgarten unterwegs sein.
Die "Schatzsucher" werden Ende 2012 in Poysdorf und Herrnbaumgarten unterwegs sein.
"Als wir zum ersten Mal vom Schiefergasvorkommen in unserer Region hörten, haben wir gegoogelt und diese furchtbaren Infos gefunden, die uns und alle anderen geschockt haben", berichtet die Poysdorfer Bürgermeisterin Gertrude Riegelhofer (ÖVP) im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Doch dann habe die OMV im Gemeinderat eine Informationsveranstaltung abgehalten und versichert, dass sie das Gas nur dann fördern werde, wenn das auf eine ökologisch vertretbare Art möglich sei.

Und die OMV dürfte überzeugend argumentiert haben. "Das Vertrauensverhältnis ist vorhanden, weil die OMV bereits in der Region rund um Matzen arbeitet - und alle Fragen wurden immer sehr offen und ausführlich behandelt", so die Bürgermeisterin weiter. Mittlerweile sähen die meisten Bewohner der Region das Schiefergas als Chance. Es würde zumindest Arbeitsplätze und Kommunalsteuern bringen, meint Riegelhofer.

"Ein Schatz für die Region"


"Für die Region ist es ein Schatz, der nicht aktuell gehoben werden kann, aber in Jahrzehnten viele Möglichkeiten bietet", sagt auch Landesrat Karl Wilfing (ÖVP). Die Bevölkerung sehe das pragmatisch, ist er überzeugt. "Die Leute sind sogar glücklich darüber, dass es das Gasvorkommen gibt."

Im ebenfalls von Schiefergas-Ambitionen betroffenen Herrnbaumgarten beschreibt Bürgermeister Frank Christian (ÖVP) die Stimmung in der Bevölkerung als "kritisch abwartend". Es herrsche zwar große Verunsicherung, aber die Planungsarbeiten würden eben erst nächstes Jahr beginnen. "Ganz wichtig wird es neben der ökologisch vertretbaren Gasförderung sein, dass es kein Bohrturm-Imperium gibt, da es sich beim Weinviertel optisch um eine sehr sensible Landschaft handelt", betont Christian. Der Bürgermeister würde sich spezielle Schutzzonen für die Dörfer wünschen. Aber noch gebe es dazu ja keine Entscheidung.

Vehemente Ablehnung kommt hingegen von den Grünen - auch nach der offiziellen Stellungnahme der OMV, in der versichert wurde, Schiefergas nur sauber fördern zu wollen: "Wir wollen in Österreich den Weg eines clean Shale Gas gehen", bekräftigte OMV-Chef Gerhard Roiss gegenüber Journalisten. Die Investition dafür bezifferte er mit 130 Millionen Euro, obwohl die Wahrscheinlichkeit, dieses Gas auch fördern zu können, bei lediglich 20 Prozent liege. Die Grünen beharren daher weiter auf ihrer Forderung nach einem sofortigen Stopp des Vorhabens, auch wenn die Probebohrungen - eine in Poysdorf und eine in Herrnbaumgarten - erst Ende 2012 geplant sind. Die grüne Landtagsabgeordnete Amrita Enzinger ist empört: "Für eine Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent werden 130 Millionen ausgegeben, aber für erneuerbare Energie gibt es nur 50 Millionen Euro im Jahr."

"Vorgangsweise fragwürdig"


Für die Grüne ist es vor allem fragwürdig, wie die OMV in einem Jahr eine ökologische Abbaumethode entwickeln will, wenn es bisher weder die USA noch Polen oder Deutschland geschafft haben. Und Nutzen sieht sie auch keinen für die Region: "Das Geld bleibt ja nicht im Weinviertel. Ich weiß wirklich nicht, wie da der einzelne Bürger profitieren könnte." Eine schöne Landschaft, sanfter Tourismus, guter Wein und der Charme der Bevölkerung seien das Kapital der Region - und daran sei jeder Bewohner beteiligt. "Es heißt ja schließlich Weinviertel und nicht Gasviertel", betont Enzinger.

In dieselbe Kerbe schlägt Fritz Gall, Leiter des Nonmuseums in Herrnbaumgarten: "Fossile Energie ist nicht die offizielle Linie Österreichs in Sachen Energiepolitik." Gall ist gerade dabei, eine Plattform zu gründen und unabhängige Fachleute einzuladen, um der Ortsbevölkerung auch andere Sichtweisen anzubieten als nur jene der OMV. Dass die OMV die Bevölkerung darüber entscheiden lassen will, ob Schiefergas abgebaut wird oder nicht, bezweifelt er nämlich: "Immerhin sollen im Februar bereits die ersten Grundstücksablösen stattfinden."

Bei der ÖVP sieht man die Kritik tendenziell gelassen. "Die Grünen haben überall Bedenken, aber die können ganz ruhig schlafen - ob der Schatz in fünf oder zwanzig Jahren gehoben werden kann, ist ja noch völlig offen", beruhigt Landesrat Wilfing. Und auch Bürgermeisterin Riegelhofer gibt sich diplomatisch: "Man muss das sachlich diskutieren - es gäbe keinen Fortschritt, wenn man alles von vornherein ablehnte. Und ich denke, das sieht die Bevölkerung auch so." Dass es da aber auch Ausnahmen gibt, will zumindest Herrnbaumgartens Bürgermeister nicht bestreiten.