Wien. (gf/mel) Im Pariser Elysée schrillten am Freitag die Alarmglocken. Präsident Nicolas Sarkozy rief den engsten Regierungszirkel zusammen - denn die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) machte ihre schon Anfang Dezember angedrohte Herabstufung war. Frankreich verliert seine Top-Bonität, das sogenannte Triple A - und auch Österreich gehört nicht mehr zu den wenigen Euro-Ländern mit der besten Einstufung.

In Frankreich beeilte sich Finanzminister Francois Baroin zu versichern, dass die Herabstufung keine Katastrophe sei, weil AA+ immer noch gut sei. Man brauche weitere Reformen, ein neues Sparpaket werde es aber nicht geben, sagte Baroin. Sein deutscher Amtskollege Wolfgang Schäuble empfahl ebenfalls, die Ratingagenturen nicht überzubewerten. "Wir haben uns ja in den letzten Monaten zunehmend weltweit darauf verständigt, wir sollten die Rating-Agenturen auch nicht überschätzen in ihren Beurteilungen", sagte er.

Auch Wirtschaftsexperten reagierten gelassen. Freilich dürfte damit das Volumen an Hilfskrediten des Euro-Rettungsfonds EFSF spürbar schrumpfen. Letztlich hängt das Triple-A des EFSF nämlich an der Top-Bonität der Länder, die für die vergebenen Hilfskredite haften. Frankreich steht immerhin für 158 Milliarden Euro - oder knapp 22 Prozent des gesamten EFSF-Volumens - gerade. Das langfristige Rating der Rettungsfonds könnte um ein bis zwei Stufen gesenkt werden.

Österreichs Nationalbankgouverneur Ewald Nowotny meinte in der ZiB2, die Märkte würden erst dann reagieren, wenn zwei der drei großen Ratingagenturen die Bewertung verschlechtern. Fitch und Moody’s hätten Österreichs Top-Rating aber erst kürzlich bestätigt. Dennoch sei Österreich nun angehalten, die Schuldenbremse mit Leben zu erfüllen. Ein Verlust der Bestnote Triple-A hat nicht nur Auswirkungen für die Finanzierung des Staatshaushaltes - Investoren verlangen dann in der Regel höhere Zinsen. Auch die staatlichen Unternehmen ÖBB und Asfinag, die bisher vom Top-Rating der Republik profitierten, sind davon betroffen.

S&P hat auch den Ausblick für die Zukunft auf negativ geändert - damit schätzt die Agentur zu 30 Prozent, dass in den nächsten zwei Jahren Österreich abermals herabgestuft werden könnte. Kritisch sieht die Firma vor allem das starke Engagement der heimischen Banken in Osteuropa.

Noch schwerer getroffen hat es Italien - es wurde gleich um zwei Stufen herabgestuft. Auch Spanien, Portugal und Belgien wurden laut den Berichten, die bei Redaktionsschluss noch nicht bestätigt waren, herabgestuft. Gut weggekommen sind hingegen Deutschland, die Niederlande, Finnland und Luxemburg. Berlin kann sich sogar darüber freuen, dass es seine stabilen Aussichten behält.

An den Märkten sorgten die Berichte am Freitagnachmittag für Aufregung. Die großen Börsen in Europa und den USA rutschten ins Minus. Der Euro verlor gegenüber dem US-Dollar und sank zwischenzeitlich deutlich unter die Marke von 1,27 Dollar.