Wien. (kle) Dass heimische Banken in den benachbarten Krisenländern Ungarn und Italien relativ stark engagiert sind, war auch ein Grund, warum die US-Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) Österreich das Triple-A entzogen hat. In der Tat sind die dortigen Risiken nicht unerheblich. Imposante Zahlen zur Höhe der vergebenen Kredite belegen das.

So haben österreichische Banken in Ungarn nach letztverfügbaren Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) rund 40 Milliarden Dollar (gut 31 Milliarden Euro) an Krediten ausständig. Einschließlich der zur italienischen Unicredit gehörenden Bank Austria, die in den BIZ-Statistiken für Österreich nicht erfasst ist, dürften es laut Expertenschätzungen mehr als 50 Milliarden Dollar sein. Bei Raiffeisen Research hält man diese Summe allerdings für völlig irreführend im Hinblick auf die Staatsrisiken: Von den grenzüberschreitenden Forderungen würden nämlich nur 25 bis 30 Prozent auf den öffentlichen Sektor entfallen.

Länderrisiken beherrschbar?

Das potenzielle Länderrisiko für österreichische Banken in Ungarn sollte daher bei maximal 30 Prozent liegen. Der größere Rest seien Kredite an Private und Forderungen an ungarische Banken, so die Raiffeisen-Analysten. Bei den an private Haushalte vergebenen Krediten könnte freilich - gerade in Ungarn - das durch den Wechselkursverfall des Forint akut gewordene Fremdwährungsproblem in Zukunft eine noch viel größere Rolle als bisher spielen. Das dürfte S&P ebenfalls bewogen haben, die Bonität Österreichs kritischer zu sehen, falls seine Banken infolge möglicher massiver Abschreibungen finanziell gestützt werden müssten.

In Italien sind Staat und Private bei österreichischen Instituten laut BIZ-Statistik mit 24,3 Milliarden Dollar verschuldet. Im Vergleich zu Ungarn, dessen Volkswirtschaft von der Größe her nur einen Bruchteil der italienischen ausmacht, ist das Kreditengagement hier zwar wesentlich geringer. Größere Ausfälle könnten jedoch so wie in Ungarn tiefe Löcher in die Bilanzen der Banken reißen - womit im schlimmsten Fall wohl der Staat als Retter in der Not einspringen müsste.

Teure Abschreibungen auf ungarische und italienische Staatsanleihen könnten allenfalls ebenso für unliebsame Überraschungen sorgen. Auf Ungarn-Bonds, die nur noch Ramsch-Status haben, entfallen allein bei der Raiffeisen Bank International und der Erste Group nach Zahlen der europäischen Bankenaufsicht EBA insgesamt 3,1 Milliarden Euro. Bei italienischen Anleihen dürfte es im gesamten österreichischen Banksektor (inklusive der Bank Austria) ein Vielfaches dessen sein - eine Summe im mittleren zweistelligen Milliarden-Bereich.

Dennoch will die Regierung in Wien an ihrer bisherigen Bankenpolitik nichts ändern. Ein "Immunisierungspaket" für die Institute laufe bereits und "dieser Weg ist der richtige und wird fortgesetzt", sagte Finanzstaatssekretär Andreas Schieder am Montag nach einem Spitzentreffen im Bundeskanzleramt zur Lage der Banken. Helmut Ettl, Vorstand der Finanzmarktaufsicht (FMA), erklärte, es sei kein zusätzlicher Handlungsbedarf festgestellt worden.

Bei dem "Bankengipfel", der seit langem geplant war, hatte es sich laut Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny um eine reine Informationsveranstaltung gehandelt. An der Besprechung auf Einladung von Bundeskanzler Werner Faymann nahmen neben Nowotny und den beiden FMA-Vorständen Ettl und Kurt Pribil auch Vizekanzler Michael Spindelegger und Finanzministerin Maria Fekter teil.

Am Schutzwall wird gebaut

Österreichs Großbanken (Raiffeisen, Erste und Volksbanken AG) sind gerade dabei, nach den Vorgaben der EBA ihre Kapitalquoten wie EU-weit verlangt bis Ende Juni 2012 auf zumindest 9 Prozent zu bringen, um für Turbulenzen aus der Schuldenkrise gerüstet zu sein. Ebenfalls ein zentraler Punkt - für ihr Osteuropa-Geschäft: Neue Kredite im Osten dürfen nach jüngsten Notenbank-Vorgaben die lokalen Einlagen und das von lokalen Banktöchtern selbst aufgebrachte Kapital nicht um mehr als 10 Prozent übersteigen. Am Montag gab es dazu ein Treffen der "Vienna Initiative" in Wien, weil jetzt eine Kreditklemme in Osteuropa befürchtet wird. Vertreter von IWF, EU, EZB, EBRD und Weltbank berieten sich mit Aufsehern aus West- und Osteuropa.