Wien. Bei der AUA bahnt sich ein neuer Arbeitskonflikt an. Nach wie vor sind die Fronten zwischen Management und Belegschaft verhärtet. Jaan Albrecht, der neue AUA-Chef, will die Kollektivverträge radikal umkrempeln und damit billiger machen. Die geplanten Schnitte sind Hauptbestandteil eines weiteren Sparpakets, das die verlustgebeutelte Lufthansa-Tochter nachhaltig in die Gewinnzone bringen soll. Doch sie werden auf Arbeitnehmerseite abgelehnt - und das massiv.

Nach einer ersten Betriebsversammlung des Bodenpersonals in der Vorwoche ist für heute, Donnerstag, nun eine des Bordpersonals (Piloten/Flugbegleiter) angesetzt. Sie beginnt kurz nach 9 Uhr und wird voraussichtlich bis zu zwei Stunden dauern. Störungen des Flugbetriebs sind damit programmiert. Ein AUA-Sprecher: "Wir hoffen, dass sie sich in Grenzen halten."

Bisher haben die Belegschaftsvertreter keine Bereitschaft signalisiert, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. "Im Moment gibt es keine Gespräche", heißt es aus der AUA-Zentrale in Wien-Schwechat. "Wir sind aber weiterhin um einen Termin bemüht." Alle bisherigen Vorschläge für einen Verhandlungstermin haben Betriebsrat und Gewerkschaft zuletzt ignoriert.

Mitte Jänner hat ihnen das Management einen Entwurf für eine tief greifende Reform des Kollektivvertrags übermittelt. Die wichtigsten Punkte darin sind die Abschaffung von teuren Gehaltsvorrückungen und fixer Inflationsanpassung, neue Abfertigungs- und Pensionsregelungen sowie längere Arbeitszeiten für Piloten. Einziges Zuckerl für die AUA-Beschäftigten: Sie sollen künftig - im Fall schwarzer Zahlen - am Unternehmenserfolg beteiligt werden.

"Schwachsinniges Papier"

Für Karl Minhard, den Chef des Bord-Betriebsrats, ist der Entwurf ein "schwachsinniges Papier, das wir ganz sicher nicht unterschreiben". So wie Boden-Betriebsratsboss Alfred Junghans ist auch er erzürnt: "Ich nenne das nicht Kollektivvertrag, was uns da hingeknallt worden ist." Minhard sieht darin den Versuch, "die Leibeigenschaft legal zu machen", wie er der APA am Mittwoch sagte.

Für die AUA sind Piloten mit Altverträgen indes besonders teuer. Im Durchschnitt erhält ein Kapitän eine Monatsgage von 13.000 Euro brutto. Außerdem hat er Abfertigungsansprüche von bis zu 39 Monatsgehältern. Auch Sonderregelungen für eine hohe Betriebspension sind in den alten Verträgen enthalten, unter die 338 von insgesamt 578 Piloten fallen. Dennoch sieht Minhard hier offenbar keinen Grund für Änderungen, er verweist auf gültige Verträge.

Bei den Belegschaftsvertretern spielt man jetzt zunächst auf Zeit, um Druck auf Albrecht aufzubauen. Beobachter sprechen von "einem typischen Säbelrasseln". Albrecht, den Lufthansa vor knapp drei Monaten als Sanierer eingesetzt hat, will dem AUA-Aufsichtsrat jedenfalls schon am 29. Februar über ein Verhandlungsergebnis berichten. Die Gewerkschaft wiederum wartet ab, ob die AUA zu diesem Stichtag die automatische Inflationsabgeltung für 2011 mit den Gehältern auszahlt: "Fehlt auch nur ein Cent, wäre eine Urabstimmung für Streiks fällig."

So wie allen anderen Töchtern hat die Lufthansa zuletzt auch der AUA ein Spardiktat verordnet. Im Konzern ist darüber hinaus eine stärkere Zentralisierung bei Einkauf, IT, Personalverwaltung, Controlling und Wartung geplant.