Wien.

NGOs und Hilfsorganisationen zählen selten zu den besten Arbeitgebern - Stress und geringer Lohn für die Beschäftigten sorgen immer wieder für Diskussionen - und nun auch für Demos. - © APAweb
NGOs und Hilfsorganisationen zählen selten zu den besten Arbeitgebern - Stress und geringer Lohn für die Beschäftigten sorgen immer wieder für Diskussionen - und nun auch für Demos. - © APAweb
Tausende Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialbereich sind in Wien, Linz, Graz und Klagenfurt bei klirrender Kälte für höhere Löhne und Gehälter auf die Straße gegangen. Allein in der Bundeshauptstadt demonstrierten - nach Polizei- bzw. Veranstalterangaben - 2.000 bis 3.000 Menschen, in Linz mehr als 1.000. Unter dem Motto "Soziale Arbeit ist mehr Wert!" verlangten die Kundgebungsteilnehmer in Wien ein Kollektivvertrags-Plus von 4,1 Prozent.

Der Demo-Zug in Wien startete bei der Zentrale der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp) im Bezirk Landstraße, die gemeinsam mit der vida als Organisator auftrat. Ziel war die Berufsvereinigung von Arbeitgebern für Gesundheits- und Sozialberufe (BAGS) unweit der Gasometer, wo es Pfiffe für das bisher vorliegende Angebot von plus 3,05 Prozent setzte.

Als Abschlussredner kritisierte der stellvertretende vida-Vorsitzende Willibald Steinkellner den Versuch, die Beschäftigten mit Almosen abzuspeisen. Eine Kürzung der Realeinkommen komme nicht infrage, denn schon jetzt verdienten die Mitarbeiter dieser Branche um 17 Prozent weniger als der österreichische Durchschnitt. "Sozial Arbeit hat ihren Preis. Wir stehen hier, diesen Preis einzufordern", sagte er.

Arbeit gegen die soziale Kälte
GPA-djp-Bundesgeschäftsführerin Dwora Stein verlangte eine Anerkennung für jene Menschen, die sich mit ihrer Arbeit gegen die zunehmende soziale Kälte einsetzten. Konkret verlangte sie die Anrechnung der Eltern- und Hospizkarenz bei den Vorrückungen, außerdem dürfe es keine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten geben.

Unter den BAGS-Kollektivvertrag fallen rund rund 90.000 Beschäftigte, die etwa beim Hilfswerk, der Lebenshilfe oder der Caritas Socialis arbeiten. Auch die Caritas-Mitarbeiter protestierten, für sie gilt ein eigener KV. Für die beiden Verträge stehen am 20. bzw. 22. Februar weitere Verhandlungsrunden an.

Mindestens 1.400 Demonstranten in Linz
Zur Demonstration in Linz - vom Europaplatz zum Lonstoferplatz - sind trotz eisigem Wind nach Schätzungen der Organisatoren mindestens 1.400 Personen gekommen. Unter ihnen befanden sich auch Teilnehmer aus den westlichen Bundesländern. Auf Transparenten hieß es "Soziale Wärme statt kollektivvertragliche Kälte", "Es ist kalt im Sozialbereich" und "Nein zum (Psycho)Sozialabbau in Oberösterreich".

Rund 400 Teilnehmer erwartet der steirische FSG-Vorsitzende und Chefverhandler für den Kollektivvertrag, Klaus Zenz, bei der Protestveranstaltung in Graz. Der dortige "Trauermarsch" von BAGS-Bediensteten zog vom Lend-Pavillon im Volksgarten zum Lendplatz - mit einem Sarg, Fackeln und Trauermusik. Dabei waren laut Zenz zwar Delegierte aus der ganzen Steiermark, aber die Arbeit würde nicht niedergelegt. Die Grazer KPÖ-Stadträtin Elke Kahr unterstützte den Gewerkschaftsprotest: "Die Beschäftigten haben einen Aufholbedarf. Die Löhne und Gehälter liegen um 17 Prozent unter den dem branchenübergreifenden Durchschnittseinkommen."