Orange war einst aus Connect Austria entstanden, daraus wurde die Marke One und im Sommer 2007 nach Einstieg der Franzosen Orange. France Telecom hatte 1,4 Milliarden Euro für das Unternehmen bezahlt. Die Kaufsumme für Orange wandert nicht vollständig nach Frankreich. France Telecom hatte nämlich nur einen Anteil von 35 Prozent, die restlichen 65 Prozent hielt der Finanzinvestor Mid Europa Partners. Beim jetzigen Verkauf wurde vereinbart, dass MEP zwei Jahre nach Abschluss der Transaktion noch bis zu 70 Millionen Euro vom neuen Eigentümer erhält, abhängig vom Erfolg des Integrationsprozesses von Orange.

"Yesss!" hat laut der Telekom Austria-Aussendung 740.000 Kunden und einen Umsatz von 56,4 Millionen Euro im Jahr 2010. Der von der Telekom Austria Group vielbeachtete Cash Flow betrug 2,37 Mio. Euro. Die Firma beschäftigte 15 Mitarbeiter. Der Umsatz hatte sich von 2007 bis 2010 fast halbiert. Das Unternehmen sei aber schuldenfrei und ermögliche es Telekom Austria, "Kunden zu gewinnen, welche die bestehende Kundenbasis ergänzen". Teil des Deals mit Orange sind auch 13,2 MHz an gepaarten Frequenzen sowie "bis zu 634 Basisstationen", wobei dei endgültige Anzahl noch festgelegt werde. Damit will der Marktführer vor allem seine Netzabdeckung in ländlichen Gebieten steigern.

Eigentlich hätte es anderes kommen sollen als heute verkündet: Jahrelang haben A1-Chef Hannes Ametsreiter, T-Mobile-Boss Robert Chvatal und Orange-Leiter Michael Krammer getrommelt, dass der Anbieter "3" einer zu viel am Markt sei, ohnehin nicht profitabel wirtschafte und am besten die Segel streichen sollte. Doch "3" tat genau das Gegenteil - unter dem früh verstorbenen Geschäftsführer Berthold Thoma wurden Unsummen in den Netzausbau und die Preisschlacht beim mobilen Internet investiert. Mit Erfolg, das Netz ist laut dem jüngsten Netztest des renommierten deutschen Fachmagazins "Connect" das beste im deutschsprachigen Raum und beim Handy-Breitband hat "3" sogar der verwöhnten A1 Paroli geboten. Da kam es gut gelegen, dass France Telecom ihre Mobilfunktochter im Ausland abverkaufte um Geld für die Expansion am Wachstumsmarkt Afrika zu holen. Erst im Jänner wurde Orange Schweiz an die britische Finanzgesellschaft Apax verkauft.

Durch den hohen Preisdruck in Österreich haben die Handynetzbetreiber zuletzt ihre Zusammenarbeit intensiviert. So betreibt "3" seit kurzem ein "National Roaming Abkommen" mit "T-Mobile". Ab Mitte 2012 helfen sich die Provider gegenseitig bei der Netzabdeckung im ländlichen Raum. "3" kann das 2G-Mobilfunknetz von T-Mobile nutzen und T-Mobile das 3G-Netz von "3". Eine weitere Kooperation gibt es seit April 2011 zwischen "Orange" und "T-Mobile". Sie wollen sich beim UMTS-Netzausbau am Land Antennen und Kosten teilen, die erhoffte Ersparnis wurde mit jeweils 30 Mio. Euro beziffert.

Und es gibt noch Spielraum für weitere Kooperationen: Heuer erfolgt die Versteigerung der "digitalen Dividende", also von freiwerdenden analogen TV-Frequenzen für die Abdeckung ländlicher Regionen. Außerdem arbeiten alle Netzbetreiber am Rollout für die nächste Mobilfunkgeneration LTE (4G, Long Term Evolution). Weiters kämpfen alle Betreiber mit hohen Kosten bei der Abgabe gestützter Handys, die dank Smartphone-Booms immer teurer werden und trotzdem oft um 0 Euro über eine Vertragsbindung angeboten werden. Hier sollen Einkaufskooperationen, wie sie konzernweit die Deutsche Telekom über ihre Tochter T-Mobile und Orange bereits haben, helfen.

Die Kooperationen dürften Marktführer (A1) Einnahmeneinbußen bescheren. "3" zahlt A1 momentan einige Millionen im Jahr für die Nutzung des GSM-bzw. GPRS-Netzes der Telekom. Der entsprechende Vertrag besteht seit 2003 und wird voraussichtlich Anfang 2013 auslaufen, wie eine "3"-Sprecherin der APA kürzlich bestätigte.