Wien. Da waren es nur noch drei: Seit Freitag Mitternacht ist es offiziell, der österreichische Ableger des Hongkonger Mischkonzerns Hutchison Whampoa "3" übernimmt den bisher drittgrößten Anbieter am heimischen Mobilfunkmarkt, Orange. Die Fusion führt zur Markbereinigung, statt vier wird es nur noch drei Anbieter geben. Das heißt, wenn die Wettbewerbshüter aus Wien und Brüssel grünes Licht für die Übernahme geben. Der viertgrößte Netzanbieter "3" will den drittgrößten Betreiber für 1,3 Milliarden Euro kaufen. Das ist quasi ein Schnäppchen, nachdem die France Telecom sich Orange, vormals One, 2007 um 1,4 Milliarden Euro gekauft hatte. Allerdings will sich die France Telecom in Zukunft stärker auf ihren französischen Heimmarkt konzentrieren. Die größten Synergieeffekte durch die Übernahme von Orange durch "3" seien in der Technik. Derzeit habe Orange rund 5000 und "3" um die 4000 Standorte, künftig würden lediglich bis zu 6000 Masten benötigt.

Daher gibt "3" gleichzeitig mit dem Kauf von Orange die Orange-Tochter im Prepaid-Segment (Yesss!) für 390 Millionen Euro an den Marktführer A1 ab, der damit 750.000 Yesss!-Kunden sowie einen Teil der Orange-Frequenzen und -Technik erhält.

"Wir rechnen mit einer Entscheidung der Wettbewerbsbehörden bis Mitte des Jahres", sagt der Vorstand von "3", Jan Trionow, zur "Wiener Zeitung". Bis dahin werde sich für die Kunden nichts ändern, auch würden keine Integrationsarbeiten vorgenommen.

Wenn die erst in Angriff genommen werden, hofft man auf Synergieeffekte von mindestens 500 Millionen Euro. Sollte die Rechnung aufgehen, muss "3" noch bis zu 70 Millionen Euro an den Orange-Teilhaber "Mid Europe Partners" zahlen.

Selbst T-Mobile Austria will vom "3"-Netz profitieren

Sollte der Kauf genehmigt werden (siehe unten), heißt es Abschied nehmen von der Marke Orange und ihrer traditionellen Vorwahl "0699": "Mittelfristig werden alle neuen Verträge mit der Vorwahl von 3, also 0660, abgeschlossen werden", erklärt Trionow. "3" war bei seinem Start 2003 der erste österreichweite Anbieter mit einem reinen UMTS-Netz. Bei dem Netztest des Branchenmagazins "Connect" im Jänner 2012 wurde "3" als bestes Mobilfunknetz Österreichs ausgezeichnet (Platz zwei ging an die Telekom Austria), wohingegen "Orange Österreich" auf dem letzten, vierten Platz bei der Netzqualität landete. Doch laut Trionow ist es Ziel von "3", "das Beste aus beiden Netzen für die Kunden herauszuholen. Eine Unterscheidung oder Abstufung, was die Netze betrifft, wird es nicht geben."

Nachdem die T-Mobile Austria mit "3" auch Anfang Jänner eine Netzpartnerschaft abgeschlossen hat, wird "3" vor allem im ländlichen Bereich ein sehr ernst zu nehmender Konkurrent von A1. Die Mobilfunksparte von der Telekom Austria wieder kauft sich den bisherigen Prepaid-Diskonter Yesss! von Orange, ebenfalls aus Gründen der "Netzqualität im ländlichen Raum", heißt es von Telekom-Austria-Sprecher Alexander Kleedorfer zur "Wiener Zeitung". Yesss! würde zudem komplementär zu dem A1-Diskonter Bob sein, da Bob inzwischen vor allem über Vertragskunden verfügt, Yesss! hingegen sei sehr gut im Wertkarten-Segment aufgestellt. Was A1 mit der mitgekauften Marke One vorhat, ist noch unbekannt. Fix ist, dass sich viele Österreicher noch an die Marke One erinnern (die von Orange ersetzt worden ist). Man darf davon ausgehen, dass Marketingexperten nun analysieren werden, ob man der Marke noch Leben einhauchen kann.

Wie es für die 800 Orange- und 550 "3"-Mitarbeiter nun weitergeht, sei noch zu früh zu beantworten, heißt es bei "3". Einen Orange-Mitarbeiter wird es definitiv nicht mehr geben: Orange-Chef Michael Krammer wird nach dem endgültigen Abschluss des Verkaufs das Unternehmen verlassen. Über seine Zukunft will er noch nichts bekannt machen. Der ehemalige Bundesheer-Offizier hatte die Marke "Tele.ring" groß gemacht und mit dem Slogan "Weg mit dem Speck" den beinharten Preiskampf in Österreich eingeläutet. Vor seinem Wechsel zu Orange war Krammer Chef des deutschen Mobilfunkers ePlus.

Es kann sein, dass Krammer der heimischen Branche erhalten bleibt: Gerüchten zufolge wird Krammer als Nachfolger von Telekom-Chef Hannes Ametsreiter gehandelt, sollte dieser über die zahlreichen Affären bei der Telekom Austria stürzen.