Druck von zwei Seiten: Viele Bereichsleiter sehen ihre Doppelrolle als Mitarbeiter und Führungskraft als Problem. - © Monkey Business - Fotolia
Druck von zwei Seiten: Viele Bereichsleiter sehen ihre Doppelrolle als Mitarbeiter und Führungskraft als Problem. - © Monkey Business - Fotolia

Wien. Sie tragen viel Verantwortung, können aber oft wenig selbst entscheiden - und bekommen dazu noch Druck von oben und unten. Abteilungs- und Bereichsleiter stecken im "Sandwich" zwischen der obersten Chefetage und den Mitarbeitern. Gewürdigt wird die Rolle aber nur unzureichend, wie die Dr. Jürgen Meyer Stiftung in Köln in der Studie "Das mittlere Management - die unsichtbaren Leistungsträger" herausgefunden hat: Einer wachsenden Arbeitsbelastung und steigenden Führungsverantwortung steht demnach eine geringe Wertschätzung innerhalb der Unternehmen gegenüber.

"Manager müssen das Gefühl haben, wertgeschätzt zu sein", sagt Rainer Strack, Geschäftsführer der Unternehmensberatung The Boston Consulting Group (BCG). Das mittlere Management mache den Großteil der Führungskräfte aus und sei als Bindeglied zwischen Top-Management und Mitarbeiter "das Herz des Unternehmens". Sandwich-Manager müssen zum einen Entscheidungen des Top-Managements in ihrem Bereich umsetzen und stehen in Kontakt mit den Kunden, zum anderen sind sie für die Führung ihrer Mitarbeiter zuständig.

Vielen Abteilungsleitern fehlt Führungskompetenz

Der steigende Druck gefährdet laut der Studie der Dr. Jürgen Meyer Stiftung die Motivation und Leistungsbereitschaft der Abteilungsleiter.

Bereits im wirtschaftlich schwierigen Jahr 2009 ist das Engagement und die Motivation im mittleren Management dramatisch gesunken, wie eine BCG-Studie ergeben hat. Das ist gefährlich, weil gerade die Abteilungsleiter ihre Mitarbeiter motivieren. Die Steuerung von oben lässt oft wenig Freiraum für eigene Gestaltungsmöglichkeiten. Strack rät zu flachen Hierarchieebenen, die den mittleren Chefs mehr Entscheidungsspielraum geben - und Bereichsleitern nicht nur das Gefühl geben, Befehlsempfänger über mehrere Ebenen zu sein. Auch bei strategischen Entscheidungen sollten mittlere Führungskräfte mitreden dürfen, weil sie im direkten Kontakt mit Kunden und Mitarbeitern stehen.

Sandwich-Manager sollten Allrounder sein und über Kompetenz in Personalführung, Kommunikation sowie Fachwissen verfügen und Motivator sein. Gerade die Führungskompetenz fehlt einigen Sandwich-Managern jedoch, die sich meist aufgrund ihrer Fachkenntnisse in ihre Position hochgearbeitet haben. "Unternehmen müssen mehr in die Ausbildung junger Führungskräfte investieren, damit sie später in ihrer neuen Position als Manager in der ersten Reihe nicht unvorbereitet sind", sagt Strack.

Zur Führung gehört ehrliches Feedback: Das sollte nicht nur in einem Mitarbeitergespräch einmal pro Jahr, sondern öfters gegeben werden - auch informell. Bei der Kommunikation mit den Mitarbeitern hilft eine Besprechung einmal pro Woche. Auch wenn die Führungsarbeit im Tagesgeschäft oft untergeht: Mittlere Manager sollten einen "signifikanten Teil ihrer Arbeitszeit mit Mitarbeiterführung verbringen", sagt Strack.

Zwar müssen bei Umstrukturierungen und Stellenabbau gerade Abteilungsleiter und Co oft ihren Sessel räumen. Verschwinden wird die Position des mittleren Managers aber nicht, ist Strack überzeugt: "Ein Chef kann höchstens zehn Mitarbeiter führen, bei einer größeren Zahl kann er sich nicht mehr mit einzelnen Mitarbeitern beschäftigen."