Ingolstadt. Für den Autobauer Audi war 2011 das "weitaus beste Jahr der Unternehmensgeschichte". Vorstandschef Rupert Stadler konnte am Donnerstag eine bemerkenswert starke Bilanz präsentieren: Die Zahl der verkauften Autos um fast ein Fünftel auf mehr als 1,3 Millionen gesteigert; den Umsatz um gut ein Viertel auf mehr als 44 Milliarden Euro erhöht. Und, wohl am wichtigsten: Der operative Gewinn legte um gut 60 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro zu. Mit einer Umsatzrendite von mehr als zwölf Prozent blieb Audi auch 2011 die Ertragsperle des VW-Konzerns und zählt zu den profitabelsten Unternehmen der Branche.

Die Erfolgsprämie ist ebenfalls so hoch wie nie: Durchschnittlich 8251 Euro für alle fast 45.000 Mitarbeiter an den deutschen Standorten werden ausgeschüttet - fast doppelt so viel wie an die Kollegen bei Daimler in Stuttgart, auch in Belgien und Ungarn gibt es rund zwei Monatsgehälter.

Haupttreiber des Wachstums waren die Märkte in Übersee - dort will man auch die Kapazitäten ausbauen. In China, wo man derzeit mit Volldampf eine zweite Fabrik baut, um die Lieferzeiten zu verkürzen, ist der Absatz um fast 40 Prozent gewachsen. Mit mehr als 330.000 verkauften Autos war die Volksrepublik zum ersten Mal der größte Markt für Audi, weit vor Deutschland. Starke Zuwächse gab es auch in den USA. Noch im Frühsommer soll entschieden werden, wo in Nordamerika ein neues Werk entsteht. Mexiko oder ein US-Südstaat sind als Standorte in die Endauswahl gekommen.

Insgesamt will Audi in den nächsten Jahren 13 Milliarden Euro in den Standortausbau investieren, acht Milliarden davon in den deutschen Werken. Dort sollen auch heuer wieder 1200 zusätzliche Facharbeiter neu aufgenommen werden.

"Gegenwind wird stärker"

In schwindelerregenden Höhen wird die Luft dünner, das weiß auch Stadler: Solche Wachstumsraten wie 2011 werden angesichts "stärker werdenden Gegenwinds" wohl nicht wieder zu erreichen sein. "Aber wachsen werden wir - und jedenfalls wieder stärker als der Markt." Dem Auto-Weltmarkt sagen Analysten für heuer ein Wachstumspotenzial von vier bis fünf Prozent voraus. Audi selbst hat in den ersten beiden Monaten um acht Prozent zugelegt und mehr als 200.000 Autos verkauft. Das erklärte Ziel, 2015 mehr als 1,5 Millionen Autos zu bauen, davon 700.000 in China, bleibe aufrecht, so Stadler. Nachsatz zur Seite: Es könnte aber auch schon früher erreicht werden.

Beim Gewinn prognostiziert Finanzvorstand Axel Strotbek für 2012 vorsichtig lediglich ein "operatives Ergebnis auf dem Rekordniveau des Vorjahres". Der Anlauf des neuen "A3" kostet zwar anfangs Geld; der Wagen ist aber - noch vor dem neuen Golf VII - das erste Fahrzeug auf der Plattform-Basis des im VW-Konzern entwickelten "Modularen Querbaukasten", der die Entwicklungs- und Produktionskosten deutlich reduzieren soll. Einen kurzen Blick auf den Hoffnungsträger, der ab 2013 auch in China gefertigt werden soll, durften die rund 250 zur Bilanzpressekonferenz aus 14 Ländern angereisten Wirtschaftsjournalisten werfen, Fotos sind erst bei der Weltpremiere in Genf in einer Woche erlaubt.

Gerne fotografieren ließ sich Stadler hingegen mit einer zweiten Weltpremiere: Mit dem R18 e-tron ultra quattro will Audi heuer wieder das legendäre 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewinnen. Diesmal will der Audi-Chef über den ersten Sieg eines Hybridfahrzeugs jubeln, so wie er vor ein paar Jahren den ersten Diesel-Sieger feierte.