Der heimische Fluglinie AUA wird derzeit von Turbulenzen durchgebeutelt. Die "Süddeutsche Zeitung" will aus der Zentrale der AUA-Mutter Lufthansa gehört haben, dass dort über eine Umgründung auf Basis der Regionaltochter Tyrolean nachgedacht werde. Am Freitag bestätigten sich die Gerüchte um den Abgang von Vorstand Andreas Bierwirth. Das Bordpersonal hielt Freitagabend eine Betriebsversammlung ab, um ihrem Unmut über die einseitige Kündigung des Kollektivvertrags (KV) Luft zu machen.

Andreas Bierwirth muss ab 1. April 2012 seinen Platz im AUA-Vorstand räumen. Neuer Chief Commercial Officer der AUA wird Karsten Benz (47), derzeit Europachef für den Bereich Sales & Services in der Lufthansa Passage. Das Aufsichtsratspräsidium werde diesen Wechsel dem Aufsichtsrat in der nächsten Sitzung am 13. März vorschlagen, teilte die Lufthansa-Tochter AUA am Freitag per Aussendung mit.

Bierwirths Position bei der AUA war dem Vernehmen nach schon die letzten drei Monate in Frage gestanden. Er war ein Mann des früheren Lufthansa-Chefs Wolfgang Mayrhuber, mit dessen Abgang Ende 2010 verlor Bierwirth seinen Rückhalt. Nun greift die Lufthansa bei ihrer seit Jahren defizitären österreichischen Tochter intensiver durch. Vor drei Monaten wurde Jaan Albrecht den beiden Vorständen Bierwirth und Malanik vor die Nase gesetzt, nun muss Bierwirth gehen. Sein Nachfolger kommt aus der Lufthansa Passage.

"Karsten Benz ist einer unserer erfahrensten Topmanager im Bereich Vertrieb und Network Management in der Lufthansa Gruppe", heißt es in der Mitteilung weiter. "Mit dieser Empfehlung setzen wir ein klares Zeichen, unverändert und mit aller Kraft weiter an der nachhaltigen Perspektive der Austrian Airlines zu arbeiten", wird AUA-Aufsichtsratschef Stefan Lauer zitiert. Auch für Bierwirth findet Lauer nur gute Worte: "Herr Bierwirth hat in der schwierigen Privatisierungsphase maßgeblich zur Modernisierung der Austrian Airlines beigetragen. Wir danken Herrn Bierwirth für das außerordentliche Engagement seiner vierjährigen Wirkungszeit."

"Fliegen gegen einen Berg"
AUA-Chef Jaan Albrecht sieht die Situation der Airline durchaus dramatisch: "Wir fliegen gegen einen Berg, da muss man als Pilot ausweichen, links oder rechts vorbei", sagte er. In der Lufthansa-Zentrale scheint es noch drastischere Überlegungen zu geben: Eine neue österreichische Fluglinie auf Basis der Tyrolean, die einen deutlich günstigeren Kollektivvertrag hat als die AUA, würde der Vorgangsweise bei den Lufthansa-Töchtern in der Schweiz und in Belgien entsprechen. Die Swiss entstand nach der Insolvenz der Swissair aus deren ehemaligem Ableger Crossair und die Brussels Airline aus der Delta Air Transport, der Regionalsparte der früheren belgischen Fluglinie Sabena.

Dazu passen würde, dass auch Albrecht sein Unternehmen "gründlich säubern" will und entweder einen ganz neuen KV oder eben den Tyrolean-KV für alle haben will. Immerhin sei die AUA die letzten sechs, sieben Jahre nie profitabel gewesen, erinnerte Albrecht jüngst. Die AUA hat den KV für das Bord-Personal einseitig gekündigt und will bis zum nächsten Aufsichtsrat am 13. März mit den Mitarbeitern neue Arbeitsbedingungen aushandeln. Der Versuch, dieses Ziel bis zum 1. März zu erreichen, war davor gescheitert. Betriebsratsvorsitzender Karl Minhard fühlt sich zwar schlecht behandelt, will sich aber nicht in einen Streik hineintreiben lassen, wie er am Freitag wiederholte. Um 16 Uhr begann eine mehrstündige Betriebsversammlung.

Albrecht verhandelt indes auch "mit dem Ministerium" über eine Senkung der Ticketsteuer. Bisher hätte er von der Regierungsspitze mündliche Unterstützungszusagen erhalten. Die brauche er nun schriftlich.