Wiener Neudorf. (kmö/red) Die groß angelegte Razzia wegen angeblich illegaler Preisabsprachen bei der Lebensmittelhandelskette Rewe in Wiener Neudorf war auch am Freitag noch im Gang – und dürfte erfolgreich gewesen sein. "Wir sind fündig geworden", zitiert die "Krone" den Generaldirektor der ermittelnden Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) Theodor Thanner.

Die Hausdurchsuchungen seien laut "Krone" auch auf einen zweiten Standort in Inzersdorf ausgeweitet worden.

Schon seit Montag waren die BWB-Ermittler am Werk – rekordverdächtig. "Eine Hausdurchsuchung, die mehr als fünf Tage dauerte, hatten wir bisher noch nicht", bestätigt BWB-Sprecherin Veronika Haubner der "Wiener Zeitung". "Die Ermittlungen sind aber schon mehrere Monate alt." Mit der EU-Kommission habe das nichts zu tun. Wie berichtet, hat das Kartellgericht Wien am 3. Februar die Ad-hoc-Aktion genehmigt.

Laut Haubner suchte die BWB vor Ort Unterlagen, die Preisabsprachen bzw. die Festlegung von Mindestpreisen zwischen dem Handelskonzern und Lieferanten sowie unter den Lieferanten belegen sollen. "Wir weisen den Generalverdacht, der durch die Beschuldigung der Bundeswettbewerbsbehörde entsteht, entschieden zurück", kontert Rewe-Österreich-Sprecherin Corinna Tinkler.

Branchenexperten halten umfangreiche Absprachen vieler Lieferanten für "völlig unpraktikabel". "Das kann nicht halten. Es braucht keine Absprache zwischen den Lieferanten. Denn die Handelsketten verlangen von den Lieferanten sehr offensiv eine Meistbegünstigung", sagt ein Experte. "Es kann sich keiner leisten, dass er Rewe schlechter behandelt als Spar, Spar schlechter als Hofer und Lidl schlechter als Rewe." Denn Außenmitarbeiter melden täglich die Produktpreise der Mitbewerber ihren Einkäufern – bei Preisunterschieden ist dann beim Lieferanten die Hölle los.