Wien/Stockholm. Je mehr Krisen es gibt, desto lukrativer sind die Geschäfte der Rüstungsindustrie. Nach Angaben des schwedischen Friedensforschungsinstituts Sipri konnten die Rüstungsschmieden ihre Geschäfte in den vergangenen fünf Jahren um fast ein Viertel zum Vergleichszeitraum 2002 bis 2006 steigern. Der größte Waffenexporteur sind nach wie vor die USA mit 30 Prozent Weltmarktanteil, davon entfallen 63 Prozent auf Kampfflugzeuge. Größter Einzelkunde bei Kampfjets war Saudi-Arabien. Es kaufte 154 F-15 SG Strike-Eagle von McDonnell Douglas. Rüstungsexporteur Nummer zwei ist Russland mit 24 Prozent Marktanteil, gefolgt von Deutschland mit neun Prozent. Und China hat die Waffenverkäufe fast verdoppelt, Hauptkunde ist Pakistan.

Indes entfallen mehr als 44 Prozent der Waffenimporte auf Asien und Ozeanien, gefolgt von Europa (19 Prozent), dem Mittleren Osten (17 Prozent), Amerika (elf Prozent) und Afrika (neun Prozent). Größter Importeur der Welt ist Indien mit zehn Prozent Marktanteil. 80 Prozent seines Waffenarsenals importiert Indien aus Russland. Mit 33 Prozent Geschäftsanteil sind die Inder die größten Kunden der Russen. Griechenland war 2007 bis 2011 der zehngrößte Waffenkäufer der Welt, durch die Krise sind die Importe um 18 Prozent geschrumpft. 2011 wurde keine konventionelle Waffen mehr geordert, denn einige frühere Groß-Bestellungen (schnelle Kanonenboote, U-Boote und Kampfhubschrauber) sind noch nicht ganz ausgeliefert.

Rüstungsland Österreich

Seit dem Noricum-Skandal Ende der 1980er Jahre ist die österreichische Rüstungsindustrie stetig geschrumpft.

"Früher hat man Kriegsmaterial produziert, heute erzeugt man Güter für den Sicherheitsbereich und für die Terrorismusbekämpfung", sagt Rudolf Lohberger, Geschäftsführer der Arge Sicherheit und Wirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) und Ex-Generaldirektor des Minenherstellers Dynamit Nobel. Die Waffenfabriken haben abgerüstet.

"Hirtenberger hat noch ein bisschen Militärgeschäft im Großkaliberbereich, aber MG-Munition und Polizeimunition sind weg und verkauft", weiß Lohberger. "Steyr Mannlicher ist mit dem Sturmgewehr AUG übrig geblieben. Steyr hat sich gut erfangen und Steyr ist, was die Pistole betrifft, technologisch wieder ganz oben." Nachsatz: "Das AUG wird im Oman, in Südamerika und in Australien eingesetzt." Auch die Firma Glock gehört zu Lohbergers WKO-Gruppe, ist aber vorwiegend im Polizeibereich tätig.

Radpanzer aus Wien

Im Wien gibt es die Radpanzerschmiede Steyr Spezialfahrzeuge (SSF) des US-Konzerns General Dynamics - noch, meint Lohberger. "General Dynamics hat drei Panzerfabriken in Europa gekauft, Santa Barbara in Spanien und Mowag in der Schweiz und das kleinste Werk ist SSF und alle machen das gleiche", erklärt der Rüstungsexperte. "Alles, was Kettenfahrzeuge betrifft, ist heute bei SSF Geschichte, das wird in Spanien gemacht."

Indes werden hierzulande von verschiedenen Kfz-Aufbauern vor allem Fahrzeuge, u. a. der Marke Mercedes G, für "Auslandseinsätze gepanzert. "Der Mercedes G geht vorwiegend an Militärs, ist aber kein Kriegsmaterial", sagt der Fachmann. Auch die Militärlaster des deutschen Unternehmens MAN, die beim Bundesheer im Einsatz sind, kommen aus dem 23. Wiener Gemeindebezirk.

"Diese MAN-Laster sind militärische Fahrzeuge, die gehen in den Export, es sind aber keine Waffen drauf", weiß Lohberger. Indes liefert die Firma Frequentis Luftraumüberwachung für den zivilen und militärischen Bereich. Und die Firma Schiebel, bekannt für Minensuchgeräte und Dronen, baut unbemannte Hubschrauber, die Kameras tragen.

"Es wurde geschrieben, auf dem Schiebel-Hubschrauber werden Raketen montiert", sagt Lohberger. "Das ist Blödsinn, man kann keine Raketen draufhängen, weil dann kann er nicht mehr abheben." Sollte man eine leichte Rakete dennoch montieren, würde der Heli beim Abschuss explodieren. Und Flugzeuge der Wiener Neustädter Diamond Aircraft werden bemannt oder unbemannt zur Grenzüberwachung eingesetzt.