Wien. Die kleine Wiener Alizee Bank AG (rund fünf Millionen Euro Grundkapital) sorgt für großen Wirbel. Die Privatbank, die zwecks Sicherung der Gläubigerinteressen von der Finanzmarktaufsicht unter Kuratel gestellt wurde, soll einen Eigentümerwechsel vollzogen haben, der anscheinend an der FMA vorbei ging. Erst aufgrund eines Berichts der Regierungskommissärin Dorothea Rebmann (PwC) anlässlich einer außerordentlichen Hauptversammlung am vergangenen Montag sollen die Bankenaufseher erfahren haben, dass die Bank neue Eigentümer bzw. Aktionäre haben soll.

Bisher standen die FCP Privatstiftung und die Mirabeau Privatstiftung, die Thomas Polak und Claudia Böhme zugerechnet werden, hinter der Bank. Jetzt sollen der Frächter Andrej Kotchetkov und Ex-Innenminister Franz Löschnak je 26 Prozent der Stimmrechte an der Bank halten, Richard Schenz, der Kapitalmarktbeauftragte der Bundesregierung und Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreich sogar 39 Prozent und der Steuerberater Andreas Staribacher neun Prozent. Dass die namhaften Österreicher sich auf eigene Rechnung an der Bank beteiligt haben, bezweifeln Insider.

"Vermutlich versucht der russische Frächter Kotchetkov die Bank zu übernehmen, das dürfte eine Hauruck-Aktion gewesen sein", vermuten Insider. Denn der Russe soll schon zuvor eine Million Euro als Überbrückungsfinanzierung in die Mini-Bank gepumpt haben, angeblich damit das gesetzliche Eigen-Mindestkapital von fünf Millionen Euro erfüllt werden konnte. Auch soll Teil des umstrittenen Deals sein, dass Real-Estate-Assets aus der Bank herausgekauft wurden. Für die Alizee-Gläubiger wäre daher ein Eigentümerwechsel eine gute Sache. Bisher soll nämlich das Geschäftsmodell der Bank nicht funktioniert haben. Das Institut machte angeblich deutliche Verluste. Die Verantwortlichen der Bank konnten für eine Stellungnahme nicht erreicht werden.

Große Brösel mit der FMA


Für die FMA ist die "Vorgangsweise mehr als seltsam". "Da weder die Absicht, eine qualifizierte Beteiligung zu erwerben, noch der Kauf der Aktienpakete der Aufsicht angezeigt und zur Genehmigung vorgelegt wurden", hat die FMA beim Handelsgericht beantragt, dass ein Treuhänder für die ruhenden Stimmrechte der neuen Aktionäre bestellt wird. Sie sollen nämlich derzeit laut FMA keine Beschlüsse fassen können. Zugleich wurde die Alizee Bank aufgefordert, "den gesetzlichen Zustand wiederherzustellen und nachzuweisen, dass sie über gesetzmäßige Eigentümer verfügt, die den Ansprüchen nach dem Bankwesengesetz entsprechen". Dazu müssen sie einen sogenannten Fit-and-Proper-Test der Aufsicht bestehen. Im Nachhinein hat das nun einen gewaltigen Haken.

"Es wird für die Bank schwierig sein, nachzuweisen, dass die neuen Eigentümer fit und proper sind, wenn sie den grundsätzlichen Verpflichtungen der Anzeige und Genehmigung der neuen Eigentümerschaft nicht nachgekommen sind", sagt ein Experte zur "Wiener Zeitung". Da beiße sich die Katze in den Schwanz.

Das Firmengeflecht


Warum die Regierungskommissärin nicht eingegriffen hat, ist laut Fachleuten schnell erklärt. Sie könne sich nur in Belange, die für die Gläubiger von Interesse sind, einmischen, aber nicht in Eigentümerfragen. Apropos Eigentümer: Andrej Kotchetkov ist laut Creditreform Geschäftsführer der Wiener "Skat Internationale Speditions GmbH (vormals SVT Skat), die wiederum ein Viertel an der Etransa Speditions AG hält. In der Etransa sitzt - neben zwei Ukrainern - Gustav Poschalko, Ex-Vorstand der ÖBB Holding und der ÖBB-Spedition Express-Interfracht, dem Aufsichtsrat vor.

Kotchetkov ist auch Geschäftsführer einer K57 GmbH und der Finstil Holding GmbH, deren Alleingesellschafterin die E & A Beteiligungs GmbH ist. Die E & A hält rund ein Drittel an der Spedition Skat. Die Finstil und die E & A Beteiligungen halten 38 Prozent bzw. 28 Prozent an der Bedarfsflugfirma Avcon Jet AG. Bei Avcon sitzt Steuerberater und Pilot Andreas Staribacher dem Aufsichtsrat vor. Das gesamte Firmengeflecht ist aber noch viel verzweigter.