Wien. (kle) Es war eine ziemlich schwere Geburt - damals, im Jahr 2000. Die Rede ist von der Mitarbeiterbeteiligung des börsenotierten Linzer Stahlkonzerns Voestalpine. Einfach sei es nicht gewesen, Belegschaft, Betriebsräte und Gewerkschafter von der Idee einer eigenen Stiftung, über die die Mitarbeiter am Unternehmen beteiligt sein sollten, zu überzeugen, erinnert sich Voest-Konzernbetriebsratschef Karl Schaller an die Anfänge. In Österreich sei damit schließlich Neuland betreten worden.

Heute halten die Voestler über die Stiftung mittlerweile 13,3 Prozent an ihrem Unternehmen. Insgesamt 22,4 Millionen Voest-Aktien sind im Besitz von 20.500 Beschäftigten aus allen 49 österreichischen Konzernbetrieben. Diese Mitarbeiterbeteiligung ist hierzulande auch die größte. Bis heute stehen Management und Betriebsrat geschlossen hinter ihr, gelobt wird vor allem die "gelebte innerbetriebliche Sozialpartnerschaft". Die beteiligten Mitarbeiter selbst profitieren von der Möglichkeit einer jährlichen Dividende und von allfälligen Kurssteigerungen und sind so direkt am Unternehmenserfolg beteiligt.

Gegen feindliche Übernahme


Ihre Stimmrechte haben die Mitarbeiter der Privatstiftung übertragen, diese vertritt ihre Interessen. Wer aus dem Unternehmen ausscheidet, kann frei über seine Voest-Aktien verfügen. Finanziert werden die Aktien aus einem Teil der kollektivvertraglichen Lohnerhöhungen und aus Zuteilungen im Rahmen der jährlichen Erfolgsprämien.

Die Mitarbeiterstiftung ist nach der mit mehr als 15 Prozent beteiligten Raiffeisenlandesbank Oberösterreich zweitgrößte Voest-Aktionärin. An dritter Stelle folgt die Oberbank mit über fünf Prozent. Mit beiden Banken hat die Stiftung ihre Stimmrechtsanteile syndiziert, um bei den Aktionärsversammlungen größeres Gewicht zu haben.

Für Voestalpine-Chef Wolfgang Eder ist die Belegschaft ein "stabiler Kernaktionär": "Die Mitarbeiterbeteiligung ist auch der Garant, dass die Voestalpine-Aktie niemals von der Wiener Börse genommen werden kann." Wer nämlich eine feindliche Übernahme anstrebe, wolle meist 100 Prozent, um einen Konzern zerschlagen zu können. Aufgrund der Mitarbeiterbeteiligung sei das aber unmöglich. Betriebsratschef Schaller: "Unser Modell ist ein Schutzschild gegen feindliche Übernahmen."

Laut Eder ist die Voest-Mitarbeiterbeteiligung innerhalb der EU ein Vorzeige-Modell, Betriebe in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden würden es inzwischen kopieren. Weitere illustre Beispiele einer größeren Mitarbeiterbeteiligung in Österreich sind vor allem Unternehmen wie der Flughafen Wien (10 Prozent) und die Amag (11,1 Prozent).