Anleger-Millionen verbrannt: Wiener Neustädter "Eurofinanz" soll Produktentwicklungen nur vorgetäuscht haben. - © unpict - Fotolia
Anleger-Millionen verbrannt: Wiener Neustädter "Eurofinanz" soll Produktentwicklungen nur vorgetäuscht haben. - © unpict - Fotolia

Wiener Neustadt. Auf den Tag genau vor 14 Monaten hat Staatsanwalt Wolfgang Handler seine 128 Seiten starke Anklageschrift gegen die mutmaßlichen Drahtzieher des niederösterreichischen Beteiligungskonglomerats "Eurofinanz" (eigentlich: Eurofinanzierungs- und Unternehmensberatungs GmbH) ausgefertigt. Heute, Mittwoch, müssen sich Mastermind Horst Tietze und vierzehn weitere Verdächtige den Vorwürfen stellen. Der Ankläger wirft den Finanzjongleuren schweren gewerbsmäßigen Betrug vor. Strafdrohung: bis zu zehn Jahre Haft.

Laut Anklageschrift sollen sie 913 Investoren, darunter renommierte Universitätsprofessoren, Anwälte, Ärzte, Notare sowie namhafte Unternehmer und Unternehmensberater, geschröpft haben, indem sie diese als atypische Gesellschafter zu rund 2200 Beteiligungen an zumindest elf Gesellschaften verleitet haben. Die dubiosen Beteiligungsmodelle für angebliche Internet-Plattformen, Marktanalysetools und Datenbankmanagementsysteme soll Tietze, der "wirtschaftliche Machthaber" von "Eurofinanz", konzipiert haben.

Den Investoren sollen diese Beteiligungen an jungen, innovativen, wachstumsstarken Firmen "hauptsächlich durch steuerliche Vorteile", sprich Steuerminimierung mittels Verlustzuweisungen, schmackhaft gemacht worden sein. Handler wirft Tietze einen Schaden in Höhe von "zumindest 37,337 Millionen Euro" vor, der Zweitangeklagte Thomas M. soll für 28,443 Millionen Euro geradestehen, die Nummer drei, Oliver L., für rund 17,634 Millionen Euro, der Steuerberater Peter K. für 17,7 Millionen und Friedrich R. für 4,625 Millionen Euro. Die Vorwürfe werden bestritten. Wie berichtet, sollen laut Anklageschrift Thomas M. und Andreas H. "großteils geständig sein". Sie sollen Mitangeklagte im Ermittlungsverfahren belastet haben.

Vorwürfe zurückgewiesen


"Die Vorwürfe werden bestritten. Ich habe in vielseitigen Eingaben versucht, dem Ganzen mehr Licht zu geben. Die Staatsanwaltschaft hat sich dem nicht angeschlossen", sagt Michael Zerobin, Pflichtverteidiger von Tietze zur "Wiener Zeitung". "Es waren mehrere atypische Beteiligungsmodelle gewesen, wobei der Staatsanwalt sagt, die Produkte zu diesen Modellen hätte es nie gegeben. Das stimmt nicht." Nachsatz. "Es hat mehrere Steuerprüfungen in den Jahren gegeben, die haben das Produkt bestens geprüft, sonst hätte es seinerzeit keine Steuerbescheide gegeben." Dazu muss man aber auch wissen, dass die Finanz den Fall in Rollen gebracht hatte. "Die Produkte waren sehr wohl da, aber möglicherweise noch nicht fertig", behauptet Zerobin. Er legt auch Wert auf die Feststellung, dass Tietze selbst nicht Geschäftsführer der "Eurofinanzierungs- und Unternehmensberatungs GmbH" war. Die Start-up-Firmen im "Eurofinanz"-Reich hießen unter anderem Bull Connect Communication Technologies, DVM Consulting, Funky Solutions, Galileo Datenbank Consulting und iNet System Informations.

Starker Tobak


"Nachdem die Anleger ihr Beteiligungskapital eingezahlt hatten, wurden Leistungen, vor allem Know-how, verrechnet und als Aufwand erfasst, die tatsächlich nie erbracht wurden bzw. keinen nachvollziehbaren Gegenwert darstellen", heißt es in der Anklage. "Der größte Teil der Anlegergelder (...) wurde nicht widmungsgemäß verwendet. Eine tatsächliche Betriebstätigkeit erfolgte bei sämtlichen Emittentinnen der stillen Beteiligungen nur dem Anschein nach." Dieses Vorgehen diente laut Staatsanwalt einerseits dazu, "um Anlegern die versprochenen ,Verluste‘ zuweisen zu können, und andererseits um Beteiligungskapital im zweistelligen Millionenbereich über Konten verbundener Gesellschaften (...) abfließen lassen zu können - zum Nachteil der stillen Gesellschafter". Resümee des Anklägers: "Ziel der Vorgangsweise war es, einen scheinbar rechtmäßigen Vermögensabfluss zu dokumentierten."