• vom 12.04.2012, 16:34 Uhr

Österreich

Update: 12.04.2012, 17:43 Uhr

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240.000 Einzelkämpfer sollen Wirtschaft beleben




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  • Zahl der Ein-Personen-Unternehmen steigt - Unterschiedlichste Rahmenbedingungen
  • Wirtschaftskammer-Chef Leitl will politische Prioritäten ausloten.

Flexible Zeiteinteilung und Selbstverwirklichung sind wichtige Triebfaktoren für den Schritt in die Selbständigkeit.

Flexible Zeiteinteilung und Selbstverwirklichung sind wichtige Triebfaktoren für den Schritt in die Selbständigkeit.© jeremias münch - Fotolia Flexible Zeiteinteilung und Selbstverwirklichung sind wichtige Triebfaktoren für den Schritt in die Selbständigkeit.© jeremias münch - Fotolia

Wien. (mel) Sie gewinnen für die heimische Wirtschaft zunehmend an Bedeutung, passen aber in kein Schema und haben mit einigen Problemen zu kämpfen. Die KMU Forschung Austria hat in einer neuen Studie die Situation der heimischen Ein-Personen-Unternehmen unter die Lupe genommen. Die Umfrageergebnisse werfen ein interessantes Licht auf eine oft kontrovers diskutierte Berufsgruppe.


Die meisten der rund 240.000 Ein-Personen-Unternehmer hätten sich nach 10 bis 15 Jahren unselbständiger Tätigkeit im Alter von 30 bis 32 Jahren selbständig gemacht, so Peter Voithofer, Direktor der KMU-Forschung Austria bei einem Hintergrundgespräch der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). Im Durchschnitt seien 15 Jahre Berufserfahrung und 9 Jahre Branchenerfahrung gegeben.

Gefragt nach ihrer Motivation nannten mehr als 70 Prozent der befragten Ein-Personen-Unternehmer das Streben nach Unabhängigkeit, flexiblerer Zeiteinteilung und Selbstverwirklichung. Bei 34 Prozent lag Unzufriedenheit am ehemaligen Arbeitsplatz vor. Eine nicht unbedeutende Zahl an Personen setzt den Schritt in die Selbständigkeit jedoch nicht unbedingt aus echtem Unternehmergeist heraus: 17 Prozent nennen die Verhinderung oder Beendigung von Arbeitslosigkeit als Grund, 7 Prozent wurden vom früheren Arbeitgeber in die Selbständigkeit gedrängt.

Lange Arbeitszeiten



Diese 7 Prozent wären jedoch "keinesfalls" mit verdeckten Dienstverhältnissen gleichzusetzen, betont Voithofer. Laut WKO hinterfragen die Gebietskrankenkassen "sehr radikal", ob bei so manchem Ein-Personen-Unternehmer nicht eigentlich ein Angestelltenverhältnis vorliegt. Die Kammer drängt hier auf die Einrichtung einer unabhängigen Schlichtungsstelle, die solche Fragen klären soll.

Laut KMU-Forschung hat rund ein Fünftel der Ein-Personen-Unternehmen ein Jahreseinkommen von mehr als 50.000 Euro brutto, 45 Prozent erwirtschaften ein Ergebnis von mehr als 20.000 Euro. Das Geld ist nicht leicht verdient: Jene Ein-Personen-Unternehmer, die Vollzeit tätig sind, geben an, im Durchschnitt 54,4 bis 56,1 Stunden pro Woche zu arbeiten. 81 Prozent arbeiten auch an Samstagen, 49 Prozent auch an Sonn- und Feiertagen. 48 Prozent empfinden ihre Arbeit als außerordentlich bis ziemlich belastend. Bei 49 Prozent beeinträchtigt der Arbeitsstress das Wohlbefinden zumindest ziemlich. 61 Prozent geben an, in den vergangenen drei Jahren nicht im Krankenstand gewesen zu sein.

WKO-Präsident Christoph Leitl bezeichnet die Ein-Personen-Unternehmen als "wichtige Gruppe" für die heimische Wirtschaft. Immerhin würden 80 Prozent aller Firmengründungen darunterfallen. Laut Umfrage planen immerhin zehn Prozent der Ein-Personen-Unternehmen, Mitarbeiter aufzunehmen. Leitl betont außerdem das Innovationspotenzial, das dieser Gruppe innewohne: "Das ist der Humus, auf dem die Wirtschaft blüht und gedeiht."

"Urbefragung" geplant
Die Wirtschaftskammer fordert nun unter anderem Verbesserungen beim Krankengeld, eine pauschale steuerliche Absetzbarkeit von Büroräumen in Privatwohnungen und eine flexiblere Gestaltung der freiwilligen Arbeitslosenversicherung. So solle die bisherige Bindefrist von acht Jahren verkürzt werden und die Beitragsleistung flexibler gestaltet werden können.

Da viele der Problempunkte den Sozialversicherungsbereich betreffen, soll es dort zu einer "Urbefragung" unter den versicherten Kleinstunternehmern kommen. Im September sollen die Ergebnisse vorliegen, Leitl will daraus dann die politischen Prioritäten ableiten.

Einige der Probleme sind freilich altbekannt: So können sich viele Ein-Personen-Unternehmen zusätzliche soziale Absicherungsinstrumente wie die freiwillige Arbeitslosenversicherung gar nicht leisten. Auch die rigiden Vorauszahlungen für die Sozialversicherung stoßen - angesichts schwer planbarer Geschäftsverläufe - immer wieder auf Kritik. Laut Leitl bestehe ein konstruktives Gesprächsklima.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2012-04-12 16:41:09
Letzte Änderung am 2012-04-12 17:43:50


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