Forschen an Innovationen: Heimische Unternehmen lassen sich ihre Erfindungen zunehmend im Ausland schützen.
Forschen an Innovationen: Heimische Unternehmen lassen sich ihre Erfindungen zunehmend im Ausland schützen.

Wien. (sf) Heimische Unternehmen wollen ihre Erfindungen zunehmend in mehreren Ländern schützen lassen: Beim Österreichischen Patentamt wurden im Vorjahr 3242 Patente oder Gebrauchsmuster angemeldet, um 8,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Dafür ließen die Österreicher international mehr Erfindungen schützen. Beim Europäischen Patentamt (EPA), dessen Patente in bis zu 38 europäischen Ländern gültig sind, stieg die Zahl der Anträge von Österreichern im Vorjahr um sechs Prozent auf 2351. Erteilt wurden vom EPA in München 737 Patente, ein Zehntel mehr als im Jahr davor.

Insgesamt hat sich die Zahl der internationalen Patentanmeldungen von Österreichern in den vergangenen zehn Jahren auf 6300 verdoppelt. "Österreichische Klein- und Mittelbetriebe, die den Großteil der Erfinder ausmachen, melden ihre Patente verstärkt auf dem amerikanischen und asiatischen Markt an", sagt Patentamt-Präsident Friedrich Rödler.

Firmen lassen ihre Innovationen vor allem in jenen Ländern schützen, die für die heimischen Exporte bedeutend sind: Deutschland, USA, China, Japan, Kanada und Brasilien.

EU-Patent scheitert derzeit an Standortfrage

Ein pauschales EU-Patent für zumindest 25 Länder - Italien und Spanien blockieren - scheitert allerdings derzeit an der Frage, wo das Patentgericht seinen Sitz haben soll - in München, Paris oder London. Auch die Finanzierung ist noch ungeklärt. Für Unternehmen soll durch ein einheitliches Patent die Anmeldung günstiger werden.

Die meisten Erfindungen ließ sich 2011 Siemens schützen - sowohl in Österreich als auch weltweit. Dahinter folgten hierzulande der Vorarlberger Beschlägehersteller Julius Blum und der Grazer Motorenentwickler AVL List, der 2010 die Rangliste angeführt hatte. Nach Bundesländern ist Oberösterreich am innovativsten, auf den Plätzen liegen die Steiermark, Wien und Niederösterreich.

Die meisten Marken - nämlich 42 - ließ der Einzelhändler Spar registrieren. Die Österreichischen Lotterien folgen mit 27 Marken vor dem Diskonter Hofer mit 23. Insgesamt wurden im Vorjahr mehr als 5000 neue Marken registriert. "Patente laufen nach 20 Jahren aus. Marken können immer wieder geschützt werden und machen bis zu zwei Drittel des Unternehmenswertes aus. Daher sollten Firmen diese beiden Schutzrechte sinnvoll kombinieren", sagt Rödler.

Patentamt will Erfindern auch bei Kapitalsuche helfen

Für heimische und internationale Anmeldungen sei das österreichische Patentamt der erste Ansprechpartner für Unternehmen. Längst nicht alle Erfindungen schaffen es zum Schutz - in Österreich erlangten knapp weniger als die Hälfte der eingereichten Innovationen ein Patent.

Weil die Zahl der Anmeldeverfahren zurückgeht, will das Patentamt sein zweites Standbein, die Beratung, ausbauen. "Wenn wir in der Datenbank sehen, dass es die Erfindung schon gibt, können wir davon abraten, weiter Geld in die Entwicklung zu investieren. So können wir Frustration bei Erfindern verhindern", sagt Rödler. Außerdem will das Amt künftig auch nach Erteilung des Patents helfen, Kapitalgeber für die Vermarktung zu finden.

Den Erfinderpreis "Inventum" des Patentamtes holte sich schon im Jänner Riegl Laser Measurement Systems. Die Messgeräte der niederösterreichischen Firma wurden unter anderem nach dem Unglück des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" vor der Küste Italiens eingesetzt, um ein weiteres Abrutschen des Wracks zu berechnen. Die Auszeichnung soll innovative Menschen, Unternehmen und Forschungsstätten vor den Vorhang bringen.